Steiffs Schwefelmännchen

Ganz kurzes Glück

9. Februar, 2018 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Steiffs Schwefelmännchen

In der ersten Hälfte der 1930er-Jahre boomte die deutsche Spielwarenfertigung und es waren stets ­frische Idee gefragt. Auch Steiff beschäftigte eine eigene Entwicklungsabteilung. Otto Steiff, immer auf der Suche nach neuen Ideen, entdeckte eine kleine Fabelgestalt auf einem Nähtisch – das war der ­Beginn der sehr kurzen Geschichte des Steiff-Schwefelmännchens.

Was für ein nettes Figürchen, dachte sich Otto Steiff, ein Neffe der berühmten Unternehmensgründerin, als er den Entwurf des „Schwefelmännchens“ entdeckte. Er beschloss, das kleine Männlein zu produzieren. Das sollte sich als Fehler herausstellen, ist aber gleichzeitig ein Glücksgriff für heutige Sammler: Das Schwefelmännchen wurde zu einer der Raritäten früher Steiff-Figuren

Eine Legende

Die niederösterreichische Kurstadt ­Baden nahe Wien im Wienerwald­viertel ist berühmt für ihre Schwefelquellen. Die liegen versteckt im Wald und sind schon immer ein wenig geheimnis- und sagenumwoben. Schwefel hat wegen seines unangenehmen Geruchs und seiner Brisanz keinen guten Ruf. Da verwundert es nicht, dass sich die Badener eine Legende darüber erzählten.

„Im Herzoggarten lebte vor langer Zeit ein kleiner Mann, der in der heißen Quelle wohnte und einen langen Bart hatte, der bis auf die Erde hing und so gelb wie der Schwefel war. War niemand in der Nähe, dann kam er aus der Quelle heraus und ging im Garten spazieren. Niemand tat ihm und auch er tat niemandem etwas zuleide. Eines Nachts stürmte es mächtig und das Wasser der Quelle färbte sich blutrot. Am nächsten Morgen fand man den Schwefelmann tot in der Quelle.“ Zugegeben, eine etwas merkwürdige Erzählung, die weder die übliche belehrende „Moral von der Geschichte“ enthält, noch andere weiterwirkende Wunderschilderungen. Vielleicht berichtet diese Legende nur vom Leben eines Einsiedlers nahe an den Quellen.

Es wurde doch gefertigt

Bad Hindelang im Allgäu ist das höchstgelegene Schwefelbad in Deutschland und der Hotelbesitzer Anton Gross wollte das Badener Fabelwesen zum Maskottchen seines traditionsreichen Hindelanger Hotels machen. Er beauftragte die Berliner Kunstgewerblerin Charlotte M. Kirchhoff damit, eine kleine „Schwefelmännchenfigur“ zu entwerfen. Damit begab er sich dann zu der im nahen Giengen gelegenen Firma Steiff, um eine Fertigung durch die Filz-Firma zu vereinbaren.

Der Vertrag kam nicht zustande und die kleine Figur blieb vergessen auf dem Nähtisch liegen. Solange, bis Otto Steiff, der nichts von dieser Vorgeschichte wusste, an dem „Schwefelmännchen“ Gefallen fand und es in zwei Größen zur Produktion freigab. 1933 erschien unter den Artikelnummern 114 (14 Zentimeter) und 125 (25 Zentimeter) das gelbe Männchen mit dem großen türkisfarbenen Hut in den Läden. Geschmacksmusterschutz wurde eingetragen.

Das dicke Ende

Aber das nutzte letztlich nicht viel, denn drei Jahre später traf Anwaltspost in Giengen ein. Ein Berliner Anwalt forderte, Produktion und Verkauf des „Schwefelmännchens“ sofort einzustellen, da es sich um eine Entwicklung seiner Mandantin Charlotte Kirchhoff handelte. Zwar versuchten die Giengener, „ihr“ Schwefelmännchen vor Gericht zu verteidigen, aber die Künstlerin bekam Recht und 1936 musste die Produktion in Giengen eingestellt werden.

2.720 Stück in den beiden Größen waren bis dahin verkauft worden und Steiff musste eine entsprechende Entschädigung zahlen. Und natürlich musste das Unternehmen die kleine großäugige Figur aus dem Programm nehmen. Familie Steiff blieb aber nicht untätig: Ihr Designer H. Oehl machte im Januar 1937 aus der Schwefelmännchen-Form einen „Glückspilz“ mit einem „baugleichen“ Körper und einem großen roten Hut. Bis 1941 wurde das so veränderte Figürchen dann wieder in vergleichbarer Stückzahl verkauft. Und für die Sammler wurde das Ganze sowieso ein Gewinn: sie erfreuen sich jetzt an beiden Figuren.

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