Gefragte Steiff-Produkte: Weihnachtsmänner aus Giengen

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12. Dezember, 2018 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Gefragte Steiff-Produkte: Weihnachtsmänner aus Giengen

Immer im Dezember taucht ein dickbäuchiger älterer Herr in einem roten Anzug mit Mütze, weißem Rauschebart und dicken schwarzen Stiefeln auf. Zumeist ist er an seinem sonoren „Ho-ho-ho“ schon von Weitem zu erkennen. Im Hintergrund hört man leise den Klang heller Glöckchen, die an seinem Schlitten befestigt sind, der von einem oder mehreren Rentieren gezogen wird. TEDDYS kreativ-Autor Thomas Dahl geht der Geschichte des Weihnachtsmannes oder „Santa Claus“ auf den Grund und stellt in seinem Beitrag verschieden Umsetzungen der Firma Steiff vor.

Noch bis Mitte des letzten Jahrhunderts war für alle kleinen Kinder klar: Geschenke bringt am 06. Dezember der heilige Nikolaus oder am Heiligen Abend das Christkind. In manchen Regionen auch erst am 06. Januar die Heiligen Drei Könige. Doch sind die Rollen im Europa des 19. Jahrhunderts noch klar verteilt, beginnen diese in den Vereinigten Staaten zu verschwimmen. Aus dem seit dem 4. Jahrhundert verehrten Bischof aus dem türkischen Myra Nikolaus, der mit Stab und Mitra dargestellt seine Geschenke unter den Kindern verteilte, wurde ein „Weihnachtsmann“. Zwar behielt er seinen traditionellen Namen „Santa Claus“, allerdings stellte man ihn sich in der Neuen Welt mit einer anderen Kleidung vor. Vermutlich weil man die Insignien eines katholischen Bischofs und die langen Gewänder nicht mehr verstand und schon gar nicht mehr aus eigener Anschauung kannte.

Cartoonist

Es war der deutsch-amerikanische Illustrator Thomas Nast (1840 – 1902), der mit seinen Zeichnungen die Vorstellung des „neuen“ Weihnachtsmannes prägte, der nun sein „Unwesen“ auch nicht mehr am 06. sondern am 24. Dezember trieb. 1863 erschien in Harpers ­Weekly das erste Mal eine seiner Zeichnungen, in der er den Weihnachtsmann als wohlbeleibten und gut gelaunten älteren Herrn mit Bauch und weißem Rauschebart darstellte. Dass er damit der „Erfinder“ des modernen Weihnachtsmanns war, der in dieser Form auf der ganzen Welt bekannt ist, geriet jedoch über die Jahre in Vergessenheit. Heute geht oftmals das Gerücht, das ein großer „Brausekonzern“ mit seiner in den 1930er-Jahren gestarteten Werbekampagne, in deren Zentrum ein wohlbeleibter und rot gekleideter Weihnachtsmann steht, dessen modernes Image geprägt habe. Doch auch wenn dieser Global Player sich so einiges auf die Fahne schreiben kann, dieser Verdienst gebührt einem anderen.

Dass der Zeichner Thomas Nast und dessen Bedeutung für das moderne Bild des Weihnachtsmannes ein wenig in Vergessenheit geraten ist, ist verwunderlich, denn der im pfälzischen Landau geborene Karikaturist gilt nicht zuletzt als Vater des politischen ­Cartoons in den USA. Er hat auch an der Bildsprache moderner Comics seinen Anteil. Er war es, der das Dollarzeichen als optischen Code für Reichtum und Gier prägte. Dagobert Duck und die Dollarzeichen in den Augen lassen grüßen. Des Weiteren hatte er durch seine zeichnerische Vorliebe für die Figur des „Uncle Sam“ großen Anteil daran, dass die bis dato verwendete, im Übrigen weibliche US-Nationalfigur „Columbia” abgelöst und durch die heute weltweit bekannte National­allegorie ersetzt wurde.

Schwaben-Santa

Von der tatsächlichen Entstehungsgeschichte des „Santa Claus“-Looks gibt es verschiedene Versionen, allen identisch sind aber die Farben, die er zur ­Kolorierung einsetzte und die mittlerweile auf der ganzen Welt verbreitet sind: Rot und Weiß. Erst 1953, als sich während der Wirtschaftswunderjahre auch in Deutschland der rot-weiße, wohlbeleibte Weihnachtsmann ­durchsetzte, entwickelte die Firma Steiff ihre ersten dreidimensionalen Nachbildungen, mit denen Kinder spielen sollten. Zu Beginn stand eine etwa 31 Zentimeter große, gegliederte Filz­figur mit der Seriennummer 731. Dieser Santa Claus war mit einem roten Filzanzug mit Mütze und Stiefeln bekleidet, die mit einem weißen Plüschrand abgesetzt sind. Sein Gesicht ist aus Gummi, Nase und Wangen sind stark rot eingefärbt, sein Rauschebart besteht aus weißem Mohair. Bereits ein Jahr später wurde die Produktpalette um eine vergleichbar gestaltete Filzfigur in 18 Zentimeter erweitert. Als kleinste Version wurde ebenfalls 1954 ein 11 Zentimeter großer Weihnachtsmann entwickelt, dessen Kopf und Körper komplett aus Gummi bestanden, ebenfalls mit rotem Filzanzug versehen. Abgerundet wurden diese Figuren durch eine Handspielpuppe in etwa 20 Zentimeter mit der Seriennummer 121, die ebenfalls ein Gesicht aus Gummi hatte. Auf der anderen Seite des großen Teichs gab es 1954 im übrigen einen speziellen Musik-Santa, in dessen Sack ein Musik­werk untergebracht war.

So mancher heutige Sammler erinnert sich bestimmt daran, wie groß zu Kindertagen die Faszination der beweglichen Schaufensterdekorationen war, die die schwäbische Spielwarenfirma aus Giengen an der Brenz gestaltete. Mit verschiedenen Tieren in allen erdenklichen Größen wurden Szenen nachgestellt, die sich mit Hilfe versteckter Motoren und Transmissionen bewegten. Es gab menschengroße ­Häschenschulen, Karussells und Riesenräder, unglaubliche Dekorationen, mit denen die modernen Kaufhäuser bis heute noch in der kalten Jahreszeit während der Weihnachtsmarktsaison das Staunen der großen und kleinen Betrachter auslösen. Damit in den 1960er-Jahren Schaufenster mit großen Schlitten und Rentieren dekoriert werden konnten, entwickelte die Firma Steiff auch einen 150 Zentimeter großen Santa Claus. Ende der 1960er-Jahre wurde die Produktpalette der Spielwarenfirma modernisiert und keine Weihnachtsmannfiguren mehr produziert. Für die Vereinigten Staaten von Amerika wurden diese in den Größen 19 und 28 Zentimeter in den 1980er Jahren nochmals als Replikate aufgelegt.

Comeback

Eine Renaissance erlebte der rot-weiße Weihnachtsmann durch immer aufwändigere Werbemaßnahmen der Firma Coca-Cola, die mit eigenen Werbespots einem Weihnachtstruck und vielen Merchandise-Artikeln rund um Santa Claus auf sich aufmerksam machten. Sicher ein Grund für den weit verbreiteten Mythos, der Konzern habe die Weihnachtsmann-Optik erfunden. Selbstverständlich stellte auch die Firma Steiff in den 2000er-Jahren so genannte Coca-Cola-Weihnachtsmänner in verschiedenen Größen und Ausführungen her, die aber anders als ihre Vorgängerversionen weniger zum Spielen als zum Dekorieren gedacht waren. Und zur richtigen Dekoration an Weihnachten gehört neben einem Santa Claus, einem Rentier und einem Schlitten natürlich bis heute ein Weihnachtsbaum. Wen wundert es da, dass sich die Firma Steiff 2004 auch an diesem Objekt versuchte und in Plüsch umsetzte. Ein großer Erfolg war ihr aber damit nicht beschieden. Es gibt bis heute nur sehr wenige Exemplare des weichen Weihnachtsbaums aus Schwaben. Selbstverständlich produzierte man in Giengen zusätzlich eine große Anzahl verschiedener Teddybären im Santa Claus-Design. Doch davon vielleicht an anderer Stelle einmal mehr.

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