Wer bin ich?

Wir erklären, wie alt Ihr Teddy ist

28. Oktober, 2012 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Wer bin ich?

Ich besitze schon seit geraumer Zeit einen alten Teddybären und würde gerne mehr über seine Herkunft erfahren. Ich habe ihn vor vielen Jahren auf einem Flohmarkt gesehen und war schon damals fasziniert von seiner enormen Ausstrahlung und so hat er bei mir ein neues Zuhause erhalten. Es handelt sich um einen sitzenden Bär von mit einer Höhe von 24 sowie einer Breite von 22 Zentimeter. Seine Arme und sein Kopf sind beweglich, die Beine dagegen nicht. Die Sohlen und Tatzen sind wahrscheinlich aus Kunstleder. Besonders nett finde ich seine rausgestreckte Filzzunge, die ihn manchmal richtig frech aussehen lässt! Ich wäre sehr froh von Ihnen einige Informationen zu bekommen.

Sophie Chrosciel

Sehr geehrte Frau Chrosciel. Der ausdruckstarke Bär, den Sie vom Flohmarkt mitgebracht haben, ist ein Kragenbär der Firma Steiff in Giengen an der Brenz. Das Fell des Bären besteht aus einem Dralonplüsch der Bayer-Werke in Leverkusen. Dieses Material wurde schon im Jahr 1954 für Teddybären und Tiere der Firma Steiff benutzt und hat für fast drei Jahrzehnte vielen Produkten aus Giengen einen dauerhaften Pelz beschert.

Materialfrage

Die Bayer-Faser Dralon ist waschbar und hat den Vorteil, sehr langlebig zu sein. So ist auch zu erklären, dass fast alle heute erhaltenen Dralon-­Tiere kaum Fellverluste aufweisen. Bei Sammlern stehen die meisten Dralon-Tiere und Bären leider nicht an erster Stelle der Wunschlisten, obwohl viele dieser Produkte zu den selteneren Steifftieren gehören. Besonders gefragt ist lediglich das Seepferd „Cosy Siggi“ aus dem Jahr 1959, aber auch der Dschungelbuch-Bär „Baloo“ aus der ersten Serie von 1968. In der Zeit um 1965 gab es eine ganze Reihe recht seltener Tiere und Bären aus Dralonplüsch, die zum Teil nur sehr kurze Zeit im Steiff-Programm zu finden waren. Dazu gehört auch der hier vorgestellte Bär, der auf den Steiffnamen Cosy Bruni hört.

Cosy Bruni ist eine Neuheit von 1965 und wurde nur zwei Jahre lang hergestellt. Er gehört damit zu den seltensten Bären der 1960er-Jahre und ist in der Tat nur sehr schwer zu finden. Besonders selten ist er in komplettem und vollständigem Originalzustand mit allen Warenzeichen, also einem Steiff-Knopf, einer lesbaren Ohrfahne mit der Artikelnummer 5625,03 und dem Brustschild mit dem aufgedruckten Eigen­namen. In den vergangenen 20 Jahren sind in allen relevanten Auktionshäusern nur drei dieser vollständigen Bären aufgetaucht. Sie haben jeweils einen höheren dreistelligen Euro-Betrag erzielt. Natürlich sind nur die kompletten Bären so hoch zu bewerten. Ein gut erhaltenes Exemplar ohne Warenzeichen ist schon im mittleren zweistelligen Bereich zu bekommen, wenn es denn überhaupt einmal angeboten wird.

Innenleben

Ein Grund für das geringe Sammlerinteresse an Dralon-Produkten der Firma Steiff könnte sein, dass es sich bei den meisten Bären und ­Tieren um weich ­gestopfte Artikel handelt. Fast immer kam sogenannter ­Rhomboid-Schaumstoff zum Einsatz. Dieses Material zerfällt unter bestimmten Bedingungen zu braun-gelblichem, klebrigem Staub und lässt die Tiere einfallen. Man sollte aber gerade bei den Bären nicht vergessen, dass es sich um zum Teil sehr viel seltenere Stücke handelt als die in den Jahren ebenfalls noch erhältlichen ­Mohairartikel.

Es gibt jedoch nur sehr wenige Sammler, die sich ausschließlich auf die Dralon-Produkte der Firma Steiff konzentrieren. Eine Sammlerin, die mir vor Jahren im Rahmen des Steiff-Festivals von ­Günther Pfeiffer in Giengen begegnet ist, hat mir Bilder ihrer Steiff-Dralon-Sammlung gezeigt: eine der beeindruckendsten Sammlungen von Steiff-Tieren, die mir bekannt ist. Fast alle Tiere und Bären waren in perfektem, ladenneuem Erhaltungszustand und hatten zum Teil sogar noch den runden Anhänger mit aufgedruckter Pflegeanleitung. Wenn ich mich richtig erinnere – das Ganze ist nun schon fast 15 Jahre her – fehlte als eines der wenigen Steifftiere in dieser umfangreichen Sammlung ein kompletter Cosy Bruni: ein weiterer Beleg für ­seine Seltenheit.

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