Wer bin ich? Wir klären die Herkunft Ihrer Teddys

Datieren, zuordnen, schätzen

22. April, 2014 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Wer bin ich? Wir klären die Herkunft Ihrer Teddys

Vielleicht können Sie mir bei der Bestimmung eines Bären behilflich sein. Er hat eine Größe von 45 Zentimeter und ist aus Mohair gefertigt. Das Fell ist in gutem Zustand. Sehr alt ist er sicherlich nicht. Er ist auch nicht mit Holzwolle gefüllt, sondern mit einer Art synthetischer Füllung. Auffallend finde ich die Größe des Kopfes in Relation zur kleinen Schnauze. Darüber hinaus fiel mir auf, dass die Fußsohlen unterschiedlich groß waren, da sie mit der Maschine genäht wurden. Haben Sie eine Ahnung aus welcher Firma er stammen und ob es ein Musterbär sein könnte?

Michèle Florack per E-Mail

Sehr geehrte Frau Florack. Der Teddy, den Sie hier vorstellen, hat tatsächlich einige ungewöhnliche Eigenschaften. Der Grund für die außergewöhnlichen Proportionen ist aber weniger die Verwendung als Musterstück. Vielmehr handelt es sich um typische bauliche Fehler und Ungenauigkeiten, die bei Produkten aus Betrieben mit mittlerem oder unterem Qualitätsanspruch immer wieder einmal vorkommen. Es kann sich auch um die Verwendung eines Restbestandes gehandelt haben; Qualitätskontrollen wie sie sehr streng bei den meisten westeuropäischen Firmen durchgeführt wurden, gab es bei Volkseigenen Betrieben der Deutschen Demokratischen Republik nicht immer. Vor allem bei Großaufträgen wurden die üblichen Qualitätskontrollen nicht in ausreichendem Maße durchgeführt.

Zuordnung

Zu diesen Unternehmen gehörte auch der Volkseigene Betrieb in Gehren, von dem heute viele Teddybären bekannt sind, da sie zum Teil noch mit originalem Warenzeichen erhalten sind. Sehr wahrscheinlich wurde Ihr Teddy in diesem Betrieb hergestellt und zwar in der Zeit um 1965. Die von Ihnen beschriebene Art der Füllung ist in etwa aus dieser Zeit bekannt. Es sind in der Vergangenheit schon sehr häufig und von allen möglichen Herstellern Teddybären mit sehr ungleichmäßigen baulichen Merkmalen aufgetaucht. Es hat sich auch bei diesen Bären grundsätzlich um unordentliche Arbeiten gehandelt und nicht um Musterstücke. Die unregelmäßige Nähweise der Pfotenbespannung ist auch schon oft beobachtet worden; diese Beobachtungen kann man vermehrt bei den ­Sonneberger Teddys der 1920er-Jahre machen. Solch interessante Stücke aus der Produktion der DDR sollte man ruhig im Fundzustand belassen, um diese produktionsbedingten Eigenschaften auch nachhaltig ­dokumentieren zu können.

Heute stelle ich Ihnen einen Bären vor, der vor etwa 40 Jahren in einem Geschäft für Kinderbekleidung gekauft wurde. Wie es aussieht hat er nie über ein Schildchen oder Warenzeichen, geschweige denn einen Knopf im Ohr besessen. Können Sie mir bei der Bestimmung helfen?

Sylvia Dietze per E-Mail

Sehr geehrte Frau Dietze. Da der von Ihnen vorgestellte, liegende Braunbär keine originalen Warenzeichen mehr besitzt, ist es nicht möglich, ihn einer bestimmten Herstellerfirma zuzuordnen. Bären dieser Art wurden über einen langen Zeitraum von vielen Unternehmen auch aus dem asiatischen Raum hergestellt. Aus deutscher Produktion sind sie vor allem von der Firma Sigikid bekannt. Diese Bären wurden hauptsächlich in den 1980- und 1990er-Jahren angeboten und waren als Kinderspielzeug sehr gefragt.

Youngtimer

Man findet sie noch sehr häufig auf Flohmärkten und Sammlerbörsen. Ihr Exemplar kann von der Firma Sigikid stammen, das ist aber ohne vorhandenes Warenzeichen nicht explizit belegbar. Sigikid produziert noch heute sehr erfolgreich Plüschspielzeuge und beachtet bei ihren Produktlinien vor allem kindgerechte Designs. Sollte Ihr Bär von Sigikid sein, könnte sich am rechten Bein noch ein Rest eines ursprünglichen Warenzeichens befinden.

Der Sammlerwert dieser in den späten 1970er- bis 1990er-Jahren bei Kindern sehr beliebten Bären ist aufgrund der großen Produktionsmengen gering; er liegt bei etwa 20,– Euro – für ein perfektes, unbespieltes Exemplar im ladenneuen Zustand mit vollständigem Schild. Diese Bären werden aber weniger von Sammlern gekauft; sie dienen eher als Ersatz für verlorengegangene Kindheitsbären. Auch Ihren Bären kann man guten Gewissens als Kinderspielzeug verwenden. Dann erfüllt er seinen eigentlichen Zweck und erfreut ganz sicher noch ein Kinderherz.

Ich wende mich ein zweites Mal mit einem Bären an Sie. Es handelt es sich um den Teddy meines Gatten. Da mein Mann Franzose ist, denke ich dass der Bär auch aus Frankreich stammen könnte oder aus der Schweiz, da die Familie an der Grenze wohnte und dort gerne Einkäufe tätigte. Der Bär ist sicher um die 65 Jahre alt – wie sein Besitzer. Ein Kind hat ihm Lothringen Kreuze auf die Pfoten gemalt und die Farbe hält sehr gut. Ich habe aufgegeben, zu versuchen, sie zu entfernen und möchte den originalen Pfotenstoff auch nicht ersetzen. Der Teddy ist mit Holzwolle gefüllt. Sieht etwas brummig aus, hat aber nie eine Stimme gehabt. Die Augen weisen eine weiße Umrandung auf und sind fast oval. Die Füße sind flach (Holzsolle in den Pfoten?). Er könnte stehen wenn der Kopf nicht etwas locker säße. Er hat jeweils drei beige Krallen. Die Nase ist interessant. Sie ist aus feinem Stoff gefertigt und mit Watte unterlegt. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir mehr über diesen Bären sagen könnten.

Michèle Florack per E-Mail

Sehr geehrte Frau Florack. Der Teddy den Sie hier vorstellen, ist leider keiner exakten Herstellerfirma zuzuordnen. Der Typ ist jedoch bekannt: Bären dieser Art wurden von Betrieben in ganz Europa gefertigt. Sehr häufig werden sie als Produkte der Firma GOKRA beschrieben, einem kleinen Betrieb in der Nähe von Braunschweig, der ab 1945 für wenige Nachkriegsjahre von einem Gottfried Kraeber geführt wurde.

Länderübergreifend

Fälschlicherweise werden Teddys dieser Art fast grundsätzlich der Firma GOKRA zugeschrieben, Es handelt sich dabei um eine rein spekulative Zuordnung, da baugleiche Teddybären in Dänemark, Polen, Österreich, Frankreich, Belgien und weiteren europäischen Ländern gefertigt wurden. Die Grundstruktur eines etwas dicklichen Bären mit großen Ohren, der sehr fest mit Holzwolle gestopft ist, wiederholt sich bei dieser Art der Plüschveteranen. Variabel tauchen dagegen die Nasengarnierungen auf: mal sind sie gestickt oder aus Stoff aufgeklebt, häufiger findet man Nasen aus Metall, Leder oder Gummi. Auch die Pfotenbespannungen sind unterschiedlicher Natur; Leinen, Filz und Kurzplüsch sind regelmäßig bei vergleichbaren Bären gefunden worden. Dabei sind diese ­Nuancen weniger als Herkunftsmerkmal geeignet; sie sind eher eine Hilfe bei der Datierung.

In der Summe aller baulichen Eigenschaften Ihres Bären und der verwendeten Materialien kann Ihr Teddy in die Zeit um 1950 bis 1955 zugeordnet werden, was sich in diesem Fall sehr gut mit der überlieferten Herkunft deckt. So bleibt die Frage nach der räumlichen Herkunft, die in diesem Fall nicht belegbar angegeben werden kann, sondern nur aus einem Gefühl heraus und nach jahrelanger Erfahrung in die westliche europäische Region deutet. Der Teddy dürfte tatsächlich in Frankreich entstanden sein. Doch gerade diese unbekannten Herkünfte machen das Forschungsgebiet „Historische Teddybären“ so spannend und wie auch in diesem Fall hilft jede einzelne Anfrage mit geschichtlich belegbaren Hintergründen als einzelnes aber wertvolles Teil im Puzzle.

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