Wer bin ich?

Wir klären die Herkunft Ihrer Teddys

7. April, 2015 - Kategorie: Aktuell, Teddy- und Plüschtierwelten
Wer bin ich?

Ich habe aus meiner Kindheit einen 40 Zentimeter großen Teddy, vermutlich gefertigt zwischen 1952 und 1955. Meine Schwester hat ihn vor einigen Jahren bei einem Puppendoktor in Hamburg reparieren lassen. Dort sagte man ihr, er sei wohl sehr wertvoll. Können Sie mir bei der Bestimmung dieses Bären helfen?
Bernd Fiedler per E-Mail

Sehr geehrter Herr Fiedler, bei Ihrem Teddy handelt es sich um ein sogenanntes Teddy-Baby der Firma Steiff. Dieser kindliche, fast tollpatschige und frei stehende Teddybär wurde 1929 erstmals angeboten und war mit kurzer kriegsbedingter Unterbrechung bis 1957 im Steiff-Programm zu finden. Im Laufe der vielen Jahre waren unzählige Varianten dieses Bären zu bekommen: Die Standardversion des ­Teddy-Baby gab es im ersten Jahr nur mit geschlossenem Maul. Ab 1930 wurde das Programm um eine Standardversion mit offenem Filzmaul erweitert. In verschiedenen Farben und Größen war es einer der großen Kassenschlager aus Giengen an der Brenz.

Design-Veränderungen

Da das Design dieses Bären im Laufe der vielen Produktionsjahre immer wieder einmal etwas geändert wurde, können heute auch die Exemplare ohne erhaltene Warenzeichen recht genau zugeordnet werden. Als eigentliches Material war Wollplüsch vorgesehen; diese Ausführungen wurden aber nur bis 1932 angeboten. Mohairplüsch ist dauerhafter und hat einen natürlichen Glanz, daher wurde das Teddy-Baby wie die meisten Steiff-Tiere und -Bären in den Standardversionen aus diesem Material gefertigt. Mohairplüsch stand aber krisenbedingt in den Produktionsjahren 1940 bis 1943 und 1946 bis 1948 nicht zur Verfügung. In diesen wenigen Jahren wurde das Teddy-Baby aus verschiedenen Kunstseidenplüschen gefertigt.

Ab 1949 war dann der ursprüngliche Mohairplüsch wieder zu haben und war der einzige Plüschbezug bis zum Ende der Produktion im Jahr 1957. Lediglich einige wenige Exemplare als Studiotiere wurden auch noch in der Zeit um 1960 aus diesem Material hergestellt. Alle größeren Ausführungen der Teddy-Babys tragen als besonderes Accessoire ein Halsband mit Glocke. Auch hier ist das originale blaue Halsband aus Leder noch erhalten. Die zugehörige Glocke fehlt leider, kann aber relativ leicht ersetzt werden.

Festschreibung

Bei Ihrem Exemplar handelt es sich um den Artikel 7340,2 aus der Zeit zwischen 1949 und 1955. Die zu dieser Zeit übliche Bezeichnung für die Farbe war „mais“. Erst ab 1956 wurde die gleiche Ausführung mit der Farbbezeichnung „honig“ in den Katalogen beschrieben. Das hier vorgestellte Teddy-Baby hat Bezüge aus Filz an den Pfoten und Sohlen. Diese wurden ab 1955 durch Kunstleder ersetzt. Die schwarzen Augen sind nicht mehr original; ursprünglich hatte Ihr Teddy die auch sonst üblichen braun-schwarzen Augen aus rückseitig bemaltem Glas.

Man erkannt bei genauem Hinsehen auch, dass die später eingezogenen Augen etwas zu klein sind, da unterhalb dieser Augen noch die Druckstellen der ursprünglich größeren Glasaugen zu erkennen sind. Absolut typisch sind bei Teddy-Babys auch die aufgescheuerten Filzsohlen. Bei vielen Exemplaren aus dieser Zeit sind dadurch auch die ursprünglich eingelassenen Pappscheiben verloren gegangen. Dadurch ist die ehemalige gute Stehfähigkeit deutlich eingeschränkt. Trotz der fehlenden offensichtlichen Warenzeichen wie Knopf, Fahne oder Brustschild ist es dennoch möglich, dass an diesem Bären noch ein weiteres in dieser Zeit verwendetes Warenzeichen bei der Identifikation behilflich sein kann.
Bären und Tiere in der Zeit 1949 bis Anfang 1954 tragen in der Naht des rechten Armes – selten auch in der Naht des rechten Beines – eine zusätzliche weiße Leinenfahne mit dem Aufdruck „Made in US-Zone Germany“. Auch wenn diese Fahne zerschlissen ist, kann man doch oft noch Reste erkennen. Es sollte auf jeden Fall einmal genau untersucht werden, ob auch an diesem Bären noch die Fahne oder Reste davon vorhanden sind; die Wahrscheinlichkeit ist bei dieser Ausführung sehr hoch. Insgesamt handelt es sich bei Ihrem Bären trotz der Spielspuren und Veränderungen um einen gesuchten Sammlerartikel. Eine Restauration ist nur eingeschränkt zu empfehlen; auf jeden Fall sollte der Bär wieder mit originalgetreuen Glasaugen ausgestattet werden um ihm seinen ursprünglichen Charme zurückzugeben.


Ich habe einen Steiff-Teddybär und würde diesen gerne verkaufen beziehungsweise schätzen lassen. Können Sie mir in dieser Hinsicht weiterhelfen?
René Domogalla per E-Mail

Sehr geehrter Herr Domogalla. Der Teddy, den Sie hier vorstellen, gehört zu einer Serie von weichen Liegebären, die von der Firma Steiff ab den 1970er-Jahren in mehreren Ausführungen angeboten wurde. Ihr Modell ist eine Neuheit von 1978; im Steiff-Programm ist er bis 1985 aufgeführt. Die vollständige Bezeichnung Ihres Bären lautet Musik-Orsi, Artikel 6370/22. Der Bär hatte ursprünglich ein eingebautes Musikwerk, das von der Unterseite aus per Seilzug zu bedienen war. Offensichtlich wurde das Musikwerk entfernt; am Bauch ist die geöffnete Naht deutlich zu erkennen. Genau an dieser Stelle befindet sich die Öffnung für das im Katalog von 1978 beschriebene austauschbare Musikwerk.

Der große goldene Steiff-Knopf an Ihrem Bären ist erst 1978 neu eingeführt worden; in Verbindung mit der nur bis 1981 verwendeten Stofffahne lässt sich Ihr Bär exakt in die Fertigungszeit 1978 bis 1981 datieren. Für den Sammlermarkt ist dieser Bär zu jung und außerdem in zu großen Mengen hergestellt worden. Er ist immer wieder einmal in perfektem, ladenneuem Erhaltungszustand zu bekommen und das zu Preisen, die deutlich unter Euro 50,– Euro liegen. So bleibt für einen bespielten Musik-Orsi ohne Musikwerk ein ideeller Spielwert. Sollte dieser Bär für kommende Generationen weiterhin als Musikspielzeug genutzt werden, kann man versuchen, über die Firma Steiff ein Ersatzwerk zu bekommen, da diese fast baugleich noch heute für Musik­tiere verwendet werden.


Ich bin eine leidenschaftliche Teddy-Sammlerin und kürzlich auf diesen Bären gestoßen. Trotz intensiver Recherche konnte ich nichts über den Plüschgesellen herausfinden. Nun hoffe ich, dass Sie mir behilflich sein können. Er besteht aus Kunstseidenplüsch, seine Augen sind aus Kunststoff.
Käthi Bader per E-Mail

Sehr geehrte Frau Bader. Der Teddy, den Sie hier vorstellen, ist ein ganz typisches Exemplar der 1970er-Jahre. Schlenkerbären, bei denen der Körper aus Stoff gleichzeitig Bekleidung andeutet, wurden in diesem Jahrzehnt von vielen bedeutenden Firmen im Programm geführt. Zu den wichtigsten Produzenten gehören Hermann in Hirschaid und Berg in Österreich. Dazu haben viele Volkseigene Betriebe in der DDR sowie asiatische Unternehmen Bären dieser Art gefertigt und in alle Welt exportiert. Nur in wenigen Fällen tauchen diese Exemplare mit originalem Warenzeichen auf, da sie bei Kindern sehr beliebt waren und die störenden Schilder schnell entfernt wurden. Das macht eine Zuordnung heute nahezu unmöglich.

Da bei diesen Bärentypen der Firmen Berg und Hermann fast ausschließlich karierte Stoffe verwendet wurden, scheiden diese hier aus. Für einen Bären aus asiatischer Produktion sind die Verarbeitung und das verwendete Design zu hochwertig. Vermutlich stammt der Plüschgeselle aus einem Volkseigenen Betrieb oder einer Produktionsgenossenschaft des Handels der DDR. Da es kaum Katalogunterlagen aus dieser Zeit gibt, ist es nicht möglich, das Unternehmen zu ermitteln. Vielleicht taucht eines Tages ein identisches Exemplar mit erhaltenem Firmenschild auf. Die zeitliche Zuordnung in die Jahre um 1975 ist dagegen sicher zu bestimmen, da die verwendeten Materialien und das Design für diese Zeit typisch sind.

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