Wer bin ich?

Wir klären die Herkunft Ihrer Teddys

20. November, 2014 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Wer bin ich?

Ich wende mich an Sie, da ich hoffe, dass sie mir bei der Bestimmung eines Teddybären behilflich sein können. Bislang konnte ich auch nach langer, ausführlicher Suche nichts dazu im Internet finden und hoffe nun, dass Sie mir in dieser Hinsicht weiterhelfen können. Zum Einen geht es um einen Bären der Firma Steiff: Die originale, gelbe Stoff-Fahne ist zwar noch dran, aber auf dieser ist nichts mehr zu lesen. Der Knopf ist silberfarben und der Steiff-Schriftzug in Schreibschrift verfasst. Der Bär sitzt nicht, er steht auf seinen vier Pfoten, die nicht beweglich sind. Er ist stabil. Das heißt, drückt man auf seinen Rücken, gibt er nicht nach. Die Glas-Augen sind braun mit schwarzer Pupille. Er hat die Maße: Länge: 21 Zentimeter, Höhe: 13 Zentimeter.

Andreas Pirscher per Mail

Sehr geehrter Herr Pirscher, Sie stellen hier einen der erfolgreichsten Bären auf vier Pfoten vor, der von der Firma Steiff jemals produziert wurde. Es ist ein sogenannter Jungbär, der in der Zeit von 1950 bis 1972 nahezu unverändert zu bekommen war. Kaum bekannt ist, dass das Design bereits auf das Jahr 1939 zurückgeht. Zu diesem Zeitpunkt wurde ein vergleichbares Modell erstmalig angeboten.
Größenfrage

Das besondere an diesen Jungbären­typen sind die eingesetzte Gesichtsmaske und das helle Fell. Bei den Exemplaren aus der Vorkriegszeit handelt es sich jedoch ausschließlich um Räderbären. Der Jungbär aus den Jahren nach 1950 wurde in drei Größen auch als Stehbär ohne Räder verkauft. Die bekannten Kataloggrößen für Jungbären ohne Räder sind 12, 17 und 25 Zentimeter. Dabei entspricht die in den Katalogen als 17 Zentimeter angegebene Größe exakt den, von Ihnen angegeben Maßen.

Der Jungbär wurde ursprünglich immer mit einem grünen Halsband ausgeliefert, an dem auch das sogenannte Brustschild befestigt war. Da der Bär keinen speziellen Eigennamen besitzt, wurde das Brustschild mit dem Aufdruck „Original Steiff“ verwendet. Die ersten Exemplare hatten echte Lederhalsbänder, ab etwa 1962 kamen Halsbänder aus Kunstleder zum Einsatz. Alle Jungbären dieser Zeit wurden mit Holzwolle gestopft. Daher sind sie auch ohne eingearbeitete Drähte oder andere Verstärkungen recht formstabil und standfest.

Knopf und Fahne

Bis auf die kleinste Nummer haben alle Jungbären eine eingearbeitete Stimme. Hier ist es eine sogenannte Druckstimme, die im Bauch eingelassen ist und an der Unterseite gedrückt werden kann. In seltenen Fällen ist diese Stimme bei bespielten Stücken auch noch funktionstüchtig. Während der langen Produktionszeit der Jungbären wurden insgesamt drei verschiedene Knöpfe mit Schreibschrift verwendet. In ganz seltenen Fällen und nur in den ersten beiden Jahren der Produktion tragen diese Bären auch noch den Knopf mit Druckschrift.

Die Varianten ab etwa 1952 haben den Schreibschriftknopf mit relativ feiner, erhabener Schrift. Bei der erhabenen Schrift werden die Buchstaben nicht graviert, sondern das Material um die Buchstaben herum entfernt. Ab 1962 wurde der Schriftzug dicker, die Schrift war aber noch immer erhaben. Ab 1969 änderte Steiff den Knopf erneut und die Schreibschrift war nun vertieft, vergleichbar mit einer Stanzung. Ihr Jungbär trägt den ersten Knopf mit Steiff-Schriftzug in erhabener und feiner Schrift. Er stammt somit aus der Produktion zwischen 1950 bis 1968. Eine weitere zeitliche Eingrenzung ist durch das Material der Augen möglich. Die Exemplare dieses Bären sind noch aus Glas. Aus diesem Grund kann man den Bären in die Zeit vor etwa 1962 datieren. Ab diesem Zeitpunkt verwendete Steiff immer häufiger Kunststoffaugen.

Das Fähnchen

In der Zeit von 1950 bis 1954 wurde bei Steiff-Tieren und -Bären an verschiedenen Stellen die sogenannte US-Zonenfahne eingenäht, die die Herkunft aus der amerikanisch-besetzten Zone belegen sollte. Da Steiff im Baden-Württembergischen Giengen an der Brenz ansässig ist, unterlag auch das Traditionsunternehmen dieser wirtschaftspolitischen Vorgabe. Aus heutiger Sammlersicht ist das ein glücklicher Zufall, da durch die kurze Verwendung dieser Fahne weitere zeitliche Eingrenzungen an Steiff-Tieren möglich sind.

Im Fall des Jungbären befindet sich diese Fahne in der Naht des rechten Vorderbeines. Ist diese Fahne oder ein Rest dort vorhanden, stammt der Bär aus der Zeit zwischen 1950 bis 1954. Ist dort ein solcher Rest oder eine Fahne nicht zu finden, kann man die Produktionszeit für diesen Jungbären auf die Zeit zwischen 1954 bis 1962 datieren. Dazu kann man an dieser Stelle tendieren. Somit handelt es sich um einen Jungbären mit der ursprünglichen Artikelnummer 1317,02. Der Erhaltungszustand ist insgesamt als gut zu bezeichnen, da das Fell kaum kahle Stellen aufweist.

Bei einer preislichen Zuordnung müssen aber folgende Faktoren berücksichtigt werden: Der Bär hat keine lesbare Ohrfahne, das Halsband mit dem Brustschild ist nicht mehr vorhanden und am linken Hinterbein zeigt sich ein für diese Bären typischer Riss am Übergang zum Körper. Daher würde ein solches Exemplar deutlich unter Euro 50,– gehandelt. Ein vergleichbarer, unbespielter und mit allen Warenzeichen ausgestatteter Jungbär der mittleren Größe kostet etwa das Dreifache.

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