Wer bin ich?

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22. November, 2013 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Wer bin ich?

Ich besitze einen alten Teddybären, habe jedoch keine Informationen über seine Herkunft. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir etwas über ihn erzählen könnten.

Klaus Zaksek per E-Mail

Sehr geehrter Herr Zaksek. Der Teddy, den Sie uns hier vorstellen, kann leider keiner bestimmten Herstellerfirma zugeordnet werden. Wie immer ist es aber möglich, einen Herstellungsraum sowie eine recht genaue Fertigungszeit zu bestimmen. Er stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Gegend um Sonneberg einschließlich dem angrenzenden südöstlichem westdeutschen Raum. Dieser Teddybär wurde in der Zeit um 1958 gefertigt.

Plüschgesellen dieser Art wurden in der angegebenen Zeit und in dem genannten Raum von mehreren Dutzend Firmen nahezu baugleich gefertigt. Sie waren vor allem für große Kauf- oder Versandhäuser bestimmt. Ganz typisch sind die eingeleimten Ohren, die nur bei günstigeren Ausfertigungen auf diese Weise angebracht worden sind. Dies gilt aber nicht nur für die Teddybären kleinerer Betriebe. Auch bedeutende Manufakturen haben bei größeren Aufträgen auf diese einfache Methode der Befestigung zurückgegriffen, um einen möglichst geringen Verkaufspreis zu garantieren.

Fertigung

Zart besaitete Teddyliebhaber mögen bitte diesen Absatz überspringen: Ein Ohr in ein mit einer schweren Schneiderschere eingestochenes Loch im Kopf einzukleben, beanspruchte deutlich weniger teure Arbeitszeit, als es aufwändig halbrund aufzunähen. Der Fachmann spricht in beiden Fällen von aufgarnieren.

Ihr Teddy wurde nicht – wie in den meisten Fällen üblich – aus einem Kunstseidenplüsch gefertigt. Es handelt sich bei diesem Fellmaterial um einen Mohairplüsch mittlerer Qualität. Die eingezogenen Augen aus durchgefärbtem Glas können Original sein. Das ist jedoch schwer festzustellen. Sie passen aber auf jeden Fall sehr gut zu diesem Bären und sind auch zeittypisch. Bei der Nasenbestickung findet man deutliche Hinweise auf eine Erneuerung. Üblich sind bei dieser Größe und Qualität etwa fünf horizontal gestickte Fäden als Nase und ein einzelner Faden in umgedrehter V-Form um ein geschlossenes Maul anzudeuten. In einigen Fällen waren Bären dieser Art auch schon mit einer aufgeklebten Nase aus Kunststoff ausgestattet.

Mit Stimme

Zusätzlich hat man ihrem Teddy jeweils drei Krallen aufgarniert, was eigentlich bei Ausführungen dieser Art selten vorkommt, da es einen zusätzlichen Zeitaufwand und somit gleich wieder höhere Produktionskosten bedeutet. Die im Körper eingebrachte Druckstimme ist erkennbar rund, was ebenfalls – bei dieser Teddygröße – auf eine sehr einfache Druckstimme hindeutet. Diese ist bei dieser Teddygröße kaum von höherwertigen Produkten bekannter Manufakturen bekannt. Man hat bei Bären dieser Größe in den meisten Fällen auf automatische Brummstimmen mit einer Kipp­funktion zurückgegriffen.

Die in Ihrem Teddy eingebrachte, einfache Druckstimme funktioniert, wie der Name schon sagt, auf Druck. Ursprünglich war bei kleinen Ausführungen ein Quietschen zu hören. Da die Dichtungsmaterialien der günstigeren Stimmen aber recht Verschleiß-anfällig waren, sind diese Bären oft schon frühzeitig verstummt. Die Begründung liegt darin, dass die Luft nicht mehr durch die Stimmpfeife strömt, sondern durch das poröse Dichtungsmaterial entweicht.
Aufgefüllt

Ihr Teddy ist wie fast alle seine Artgenossen mit Holzwolle gestopft, dem wichtigsten Stopfmaterial dieser Region in den Jahren zwischen 1910 und 1980. Darin liegt auch einer der Gründe, warum ausgerechnet der angegebene Raum die Hochburg der Teddyfertigung ist: Hier hat man bei sehr kurzen Transportwegen die unglaublichen Mengen an Holzwolle zur Verfügung gehabt, die bei der Produktion von Teddybären benötigt wurden.

Der finanzielle Sammlerwert ist nicht allzu hoch anzusetzen, da es kaum spezialisierte Sammler für unbekannte Bären aus dem Sonneberger Raum gibt. Darüber hinaus sind sie in gigantischen Mengen hergestellt worden und auch heute noch häufig zu finden. Auf größeren Veranstaltungen wie der T­EDDYBÄR TOTAL in Münster kann man sie in einem realistischen Preisrahmen zwischen 20,– und 40,– Euro finden.

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