Wer bin ich?

Wir klären die Herkunft Ihrer Teddys

7. Oktober, 2013 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Wer bin ich?

Aus Platzgründen muss ich leider meine große Spielzeugsammlung auflösen, zu der auch einige Teddys zählen. Da ich mir über ihren Wert nicht im Klaren bin, wollte ich Sie mal fragen, ob Sie vielleicht einen Steiff-Bären unter der Sammlung ausmachen können. Sie sind alle ziemlich alt, haben allesamt keinen Knopf im Ohr und auch kein Fähnchen. Das hat ja in ihrem Alter jedoch nicht viel zu sagen. Ich wäre Ihnen über eine Antwort und eine ungefähre Einschätzung des Werts der Teddys sehr dankbar.

Lieselotte Weiße per E-Mail

Sehr geehrte Frau Weiße. Normalerweise ist es nicht möglich, eine so große Sammlung von historischen Teddybären in einer einzigen Anfrage zu bearbeiten. In diesem Fall soll einmal eine Ausnahme gemacht werden, da es sich bei fast allen vorgestellten Teddybären um Produkte aus der DDR handelt.

Bären dieser Herkunft sind in den wenigsten Fällen einer bestimmten Hersteller­firma zuzuordnen, da die Modelle in den verschiedenen Volkseigenen Betrieben (VEB) – zum Beispiel Gehren und Sonneberg – sowie in den Produktionsgenossenschaften des Handels (PGH) – zum Beispiel Oberlind, Schalkau, Rauenstein und Judenbach – nahezu identisch ausgeführt wurden. Nur bei wenigen Plüschprodukten wurden Warenzeichen angebracht, die darüber hinaus nicht direkt auf den eigentlichen Betrieb, sondern nur auf die Herkunft als ostdeutsches Produkt hindeuten.

Besonderheiten

Ausnahmen sind zum Beispiel die Produkte der Firma Diem und des VEB Gehren. Hier sind regelmäßig Warenzeichen an den Produkten angebracht worden, die auf die genaue Herkunft hinweisen. Es sind darüber hinaus auch Warenzeichen der PGH Kinderfreunde, VEB Sonni und VEB Plüti bekannt, allerdings geht man bisher davon aus, dass nicht immer alle Produkte dieser Genossenschaften mit einem Warenzeichen ausgestattet wurden. Es ist generell schwierig, Produkte aus der DDR mit einem erhaltenen und originalen Warenzeichenanhänger zu finden.

Auch in diesem Fall – einer Sammlung von immerhin 15 Teddybären – fehlt bei jedem einzelnen Stück eine solche ursprüngliche Markierung. Um eine Zuordnung bei dieser großen Menge machen zu können, wurde Ihr Bild nachträglich mit Zahlen zur Kennzeichnung der einzelnen Bären versehen. Bei den Teddybären mit den Nummern 1, 3 und 9 handelt es sich um Miniaturbären aus Kunstseidenplüsch unterschiedlicher Qualitäten; Bären dieser Art sind von allen Genossenschaften gleichermaßen in Qualität und Ausführung hergestellt worden. Wie in den meisten Fällen ist bei Teddybären aus der DDR lediglich eine Zuordnung in verschiedene Herstellungsepochen möglich.

Zuordnungen

Die Bärchen mit den Nummern 1 und 3 stammen aus der Zeit um 1965; die Nummer 9 noch aus der Zeit um 1955. Die Bären mit den Nummern 2, 5 und 10 sind schon häufiger mit Warenzeichen der PGH Kinderfreunde aufgetaucht. Sie wurden auch aus bunter „Plaste“ als Badebären verkauft. Dennoch ist auch hier eine exakte Zuordnung nicht möglich, da Bären dieser Art – mit übergroßen Köpfen und tief sitzenden Schnauzeneinsätzen – auch von anderen Genossenschaften hergestellt worden sind. Diese Bären stammen aus der Zeit um 1970.

Die Bären mit den Nummern 6, 8 und 15 sind ganz typische Teddybären der DDR, wie sie in den 1950er und 1960er Jahren in großen Mengen hergestellt worden sind. In einem Katalog der „Deutschen Handelszentrale Kulturwaren“ aus der Zeit um 1955 sind exakt diese Modelle aufgeführt. Leider werden sie hier auch nur mit Bestellnummern beschrieben und nicht mit der genauen genossenschaftlichen Herkunft. Der Zeitrahmen für Bären dieser Art liegt in den Jahren 1950 bis etwa 1965. Diese Bären wurden in gigantischen Mengen hergestellt.

Wackelkandidaten

Der Bär mit der Nummer 4 stammt nicht unbedingt aus der DDR, jedoch tauchen Bären dieser Art hier recht häufig auf. Der Kunstseidenplüsch ist etwas kurzfloriger und das ist in diesem Fall ein mögliches Indiz für eine Fertigung in einem Osteuropäischen Land. Mögliche Herkunftsländer sind Polen, die Tschechoslowakei und vor allem Russland. Es gibt keine Belege für eine genaue Zuordnung, jedoch sind in der Zeit um 1965 viele Teddys und mechanische Bären aus dem ­gleichen Material in diesen Ländern gefertigt worden.

Die Teddybären mit den Nummern 7, 13 und 14 stammen wiederum aus der DDR, sie sind jedoch etwas jünger, hier liegt die Produktionsspanne in den Jahren 1965 bis 1975.
Gerade diese Bären werden allgemein als sogenannte Jahrmarktsbären bezeichnet, was sie aber nicht ausschließlich waren; sie wurden auch als preiswerte Artikel in westlichen Kaufhäusern und vor allem über Versandhauskataloge angeboten.

Der Teddy mit der Nummer 15 muss nicht unbedingt aus der DDR stammen; Bären dieser Art wurden auch in Österreich und vor allem – was nur wenige Sammler wissen – auch in Dänemark gefertigt. Das Design ist recht plump und dicklich, als Material wurde, wie in diesem Fall eine Wollplüschmischung, häufiger noch echtes Fell, zumeist Schaffell, gewählt. Dieser Teddy stammt aus der Zeit um 1965. Bei allen bisher besprochenen Teddybären handelt es sich um recht häufige Exemplare, die nicht allzu leicht zu verkaufen sind. Hier liegt ein realistischer Preis bei etwa 1,– Euro pro Zentimeter Körpergröße.

Sonderling

Zu guter Letzt bleibt noch der Teddy mit der Nummer 11 zu besprechen. Dieser ist nun endlich einmal konkret zuzuordnen: Es handelt sich um einen Teddy der Firma Diem in Sonneberg. Diese Bären sind noch immer recht gesucht. Es gibt einige Sammler, die sich auf Produkte dieses Unternehmens spezialisiert haben. Besonders weiße und farbige Bären werden gesucht und erzielen noch immer regelmäßig dreistellige Preise. Dieser Teddy ist nicht nur finanziell, sondern auch im Sammlerinteresse ein herausragendes Stück. Er stammt aus der Zeit um 1958 und dürfte auf jeden Fall leicht zu veräußern sein, da es sich offensichtlich um eine der gesuchten weißen Ausführungen handelt.

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