Wer bin ich?

Wir klären die Herkunft Ihrer Teddys

31. Juli, 2013 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Wer bin ich?

In unserer Bärensammlung lebt seit 1956 ein Teddy, über dessen Herkunft wir gerne mehr wüssten. Da er als Geschenk in die Teddyfamilie im Saarland kam, stammt er möglicherweise aus Frankreich. Er ist 40 Zentimeter groß (die verlorenen Ohren nicht eingerechnet) und war ursprünglich hellbeige. Das Material lässt sich durch liebevolle Knuddel-Abnutzung leider nicht mehr genau feststellen. Gestopft ist er mit Holzwolle. Das Mäulchen ist leicht geöffnet und war vor kleineren „Notoperationen“ schwarz bestickt. Die Glas­augen sind bernsteinfarben mit schwarzer Pupille. Er besitzt außerdem fünf Scheiben­gelenke. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns weiterhelfen könnten.

Angelika und Patrizia Zimmermann

Sehr geehrte Familie Zimmermann, vielen Dank für Ihre Anfrage und die spannende Aufgabe, die Sie mir gestellt haben. Auf den ersten Blick scheint es sich bei Ihrem Teddy um ein britisches Exemplar zu handeln. Da der Teddy sehr bespielt ist und vor allem die Ohren fehlen ist seine tatsächliche Herkunft ad hoc nicht zu erkennen.

Ortsangaben

Der Hinweis auf den Ort des Erwerbs eines Teddybären ist nur in den seltensten Fällen ausschlaggebend für eine Erforschung der Firmenherkunft, da zu allen Zeiten Teddybären sowohl importiert als auch exportiert wurden. Auch regionale Bezüge innerhalb Deutschlands werden oft als Unterstützung genannt, aber auch hier ist der Kaufort nur in den seltensten Fällen gleichzeitig auch der Herstellungsort. Französische und auch belgische Teddybären zum Beispiel haben in dieser Zeit ein ganz anderes Grunddesign; daher scheidet eine mögliche Herkunft aus diesen Ländern aus.

Auf den von Ihnen eingesandten Fotos sind zwei Merkmale zu erkennen, die bei der Identifizierung des Bären hilfreich sind. Zum einen sind es die originalen Pfoten- und Sohlenbezüge aus einer Art Wachstuch. Hier liegt zunächst der Verdacht nahe, dass es sich um ein englisches Fabrikat handeln könnte. Sehr viele Teddybären, die in Großbritannien und Irland gefertigt wurden, haben diese Art des Sohlenmaterials. Auch australische Teddybären gehören als älteste Common­wealth-Mitglieder dazu.

Spurensuche

Bei genauerer Betrachtung der Bilder des Bären findet man seitlich neben der Nasenbestickung einige dunkle Punkte. Diese sehen zunächst unscheinbar aus. Sie hätten auch von einem Kind mit einem Filzstift nachträglich aufgemalt worden sein können. Genau hier ist aber der endgültige Hinweis auf die tatsächliche Herstellerfirmen versteckt: Nur die Bären der Firma Steinhäuser haben original ab Werk diese vor allem für Plüsch-Raubkatzen typischen Ansätze der Barthaare.

Der Ursprung der Firma ­Steinhäuser geht weit bis in das 19. Jahrhundert zurück: Gegründet wurde sie von Anna ­Steinhäuser und Laura Henze in Erfurt als Puppenmanu­faktur Henze & ­Steinhäuser. Um 1886 erfolgte der Umzug nach Gehren und schließlich – nach der Enteignung im Jahr 1948 – nach Bad Waldsee. Die in Gehren ansäs­sigen Firmengebäude wurden in den Volkseigenen Betrieb Gehren umfunktioniert. Hier entstanden jahrzehntelang große Mengen an typischen DDR-Bären.

Eingeordnet

Ihr Teddy stammt, da er in der Zeit um 1955 gefertigt wurde, also aus Bad Waldsee im Schwarzwald. ­Diese frühen Bären sind selten zu finden; die Verwendung von Wachstuch als Sohlenmaterial wurde nicht allzu lange beibehalten. Man geht heute davon aus, dass die Produktion bereits in den späten 1950er-Jahren auf den üblichen Filz umgestellt wurde. Alternativ waren aber Kurzplüsche als Bezugsmaterial im Einsatz. Schon in der Zeit um 1960 verwendete Steinhäuser immer mehr Dralonplüsche. Ein Katalog von 1971 zeigt Teddybären zwar noch im Design der 1950er-Jahre, diese werden jedoch fast ausschließlich aus dem neuen Kunstpelz gefertigt.

Damit handelt es sich bei ihrem ­Teddy trotz seiner starken Spielspuren und den fehlenden Ohren um ein sehr seltenes frühes Stück aus der ­Produktion, an dem Sie hoffentlich noch viel Freude haben werden. Vielleicht ist ja eine der nächsten Urlaubsreisen in den Schwarzwald geplant, dann könnte man in Bad Waldsee noch einmal mit dem Teddy auf Spurensuche der seit den späten 1970er-Jahre nicht mehr existierenden Firma gehen.

Diesen Artikel...
Kennen Sie schon?
PUPPEN & Spielzeug
Reise der Buchstaben
Puppen-Preisführer 2011