Wer bin ich?

Datieren - Zuordnen - Schätzen

1. Dezember, 2015 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Wer bin ich?

Die folgende Anfrage richtete kein TEDDYS kreativ-Leser per E-Mail oder postalisch an die Redaktion, sondern ein Bärenenthusiast persönlich auf der Modna Lyalka-Show in Kiew. Es handelt sich um einen weißen, gut erhaltenen, fünffach gegliederten Plüschgesellen aus Mohair.

Die TEDDYS kreativ-Rubrik „Wer bin ich“ wurde im Frühjahr 2011 ins Leben gerufen. Seither haben uns dutzende Anfragen aus aller Welt erreicht. Nun ist es beinahe fünf Jahre her, dass uns die erste Zuschrift erreichte und das ist eine gute Gelegenheit einmal herzlich Dankeschön zu sagen. Auch in Zukunft werden die Anfragen fester Bestandteil des Magazins sein und wir freuen uns auf die kommenden Aufgaben, die immer wieder spannende Recherchen und jedes Mal eine Erweiterung des eigenen Horizontes mit sich bringen. Bei den historischen Teddybären lernt man eben nie aus. Üblicherweise werden die Anfragen per E-Mail oder auf dem Postweg gestellt.

Dieser oder jener?

Eine besondere Anfrage zur Produktionsstätte eines antiken Teddybären erreichte uns nun auf direktem Wege aus Kiew: ein weißer Teddy unbekannter Herkunft suchte nach seiner Provenienz. Auf den ersten Blick sollte es für den erfahrenen Teddysammler kein Problem sein, diesen Bären zuzuordnen: scheint er doch zunächst alle Merkmale eines Produktes aus dem Hause Diem mitzubringen. Bei näherer Betrachtung fällt jedoch auf, dass dieser Teddy nicht die bei Diem in Sonneberg üblichen Pappsohlen an den Füßen hat. Dieses für die 1940er- bis frühen 1960er-Jahre typische Merkmal soll in den späten Produktionsjahren bei Diem – vor allem bei größeren Bären dieser Firma – nicht mehr zum Einsatz gekommen sein.

Auch ist die Schnauze etwas kürzer und die Beine scheinen ein wenig länger zu sein als bei den nachweislich aus Diemʼscher Fabrikation stammenden Bären. Außerdem hat dieser Teddy rotbraun eingefärbte Glasaugen, die auch sicher original erhalten sind. Bei den Teddybären der Firma Diem findet man in erster Linie Augen aus durchsichtigem Glas das von hinten braun bemalt wurde. Daher ist es wahrscheinlicher, dass dieser Bär bei Althans in Birkig bei Coburg (Al Bi Co) entstanden ist.

Generell ist es sehr schwierig, Teddybären der Firmen Diem und Althans nach diesem Design konkret auseinanderzuhalten. Katalognachweise aus der AlBiCo-Fabrikation reichen nicht weit genug zurück und der Nachlass der Firma Diem befindet sich in Privatbesitz. Er steht – allen wissenschaftlichen Grundsätzen zum Trotz – leider nicht für Nachforschungen zur Verfügung. Daher ist neben den wenigen veröffentlichten Nachweisen reine Marktbeobachtung und Erfahrung notwendig, um die geringen Unterschiede zu erkennen und zu deuten sowie die dazugehörige zeitliche Zuordnung zu machen.

Einfacher wird eine Bestimmung durch unterschiedliche Beobachtungen verschiedener Sammler nicht. Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren einige Exemplare, die diesem Bären frappierend ähnlich sind und auch noch ein originales Warenzeichen der Firma AlBiCo trugen, immer wieder einmal aufgetaucht. Allerdings gibt es auch einige Sammler, die diese Herkunftsmöglichkeit vehement ablehnen, da sie nicht auf diese persönliche Erfahrung zurückgreifen und nur nach den in der Literatur vorhandenen Informationen gehen. Man kann nur hoffen, dass in näherer Zukunft weitere Katalogbelege zu finden sind, die weiteres Licht ins Dunkel bringen und auch hartnäckige Skeptiker überzeugen.

Entscheidung

Persönlich würde ich in diesem Fall eher in die Richtung ­AlBiCo tendieren, was aber auf reiner Marktbeobachtung basiert und nicht mit Katalogbelegen untermauert werden kann. Auf jeden Fall stammt dieser Teddy aus der Zeit um 1965; diese Datierung ergibt sich aus dem verwendeten Material, einem Mischmohair, sowie dem Design und ist herkunftsunabhängig.

Ich habe vor einiger Zeit zwei große, alte Bären erstanden und nun würde mich ihre Herkunft interessieren. Da ich im Netz und auch in meiner umfangreichen Literatur-Sammlung über die Beiden rein gar nichts finden kann, wende ich mich vertrauensvoll an Sie. Diese Art von Bären sind mir auch nicht geläufig. Sie sind aus Baumwollplüsch, 74 Zentimeter groß, schwer und fest mit Stroh gestopft. Sie haben Glasaugen und sind fünffach gescheibt. Der Pfotenstoff ist weder aus Filz noch aus Leinen. Ein ganz kurz geschorener Plüsch? Beide Bären haben Stimmen, die allerding fast verstummt sind. Auffallend bei den Beiden sind die kleinen Ohren auf dem massigen Kopf. Laut Vorbesitzerin wurde Bär 1 über ebay in Hamburg und Bär 2 in den Niederlanden auf einem Antikmarkt gekauft. Auch die Vorbesitzerin recherchierte, hat aber über die Herkunft auch nichts erfahren können. Die Teddys sind nicht identisch. Bär 1 hat einen dreieckigen Kopf und eine spitzere Nase und der Kopf des Bären 2 ist runder, so auch seine Nase. Auch die Augenpartie der Bären ist nicht identisch. Laut Vorbesitzerin sind die Bären etwa aus dem Jahr 1930. Vielleicht können Sie mit weiterhelfen und etwas Licht in das Dunkel der Bärenherkunft geben.
Gabriele Habeth per E-Mail

Sehr geehrte Frau Habeth, die Bären, die Sie hier vorstellen, können – auch bei leichten Charaktervarianten – eine gemeinsame Herkunft haben. Die durchaus gut beobachteten Unterschiede sind natürlich vorhanden, bei reiner Handarbeit jedoch noch im Rahmen und sie sollten nicht allzu große Beachtung finden. Tatsächlich sind die von Ihnen vorgestellten Bärentypen nicht unbekannt und sie tauchen auf allen möglichen Marktplätzen sehr regelmäßig auf. Dabei trifft man auf die unterschiedlichsten Herkunftsangaben und auch auf alle möglichen zeitlichen Zuordnungen.

Europaweit

Eine exakte Firmenzuordnung bei dieser Art Bären ist jedoch nicht möglich, da es in ganz Europa Hersteller für solche Plüschgesellen gab: Polen, die Tschechische Republik, Dänemark und auch die Niederlande sind als Herkunftsländer bekannt. Dabei sind die Modelle zum Teil frappierend ähnlich, sodass es hier sogar nicht möglich ist, einem konkreten Exponat eine Länderherkunft nachzuweisen.

Die von Ihnen beschriebenen Eigenschaften sind für alle Bären dieser Bauart typisch. Diese Plüschveteranen tauchen vor allem in den Farben braun und goldblond auf; es handelt sich um die Standartfarben bei Kunstseidenplüschen. Die Bezüge der Pfoten und Sohlen variieren dagegen immer wieder einmal: Manche Bären tragen Kurzplüsch, andere Leinen, wenige Modelle auch Filz. Bei allen Modellen findet man das leicht dicklich wirkende Design mit kurzen und relativ geraden Armen sowie die auch von Ihnen beschriebene feste Holzwollstopfung, die diese Bären im Vergleich zu konventionell gestopften Bären gleicher Größe sehr schwer erscheinen lässt.

Belege

Der einzige bekannte Nachweis für Bären vergleichbarer Art aus deutscher Produktion findet man in Cieslikʼs Teddybär Lexikon unter der Bezeichnung Gottfried Kraeber; daher werden sie oft mit dieser Herkunft bezeichnet. Nur die wenigsten Exemplare sind tatsächlich von Kraeber gefertigt worden. Eine weiter verbreitete Namensgebung ist „van Geldern Bären“, was auf eine Fertigung in den Niederlanden hindeutet. Diesen Hinweis findet man vermehrt in britischer und amerikanischer Literatur. Ob es sich bei dieser Bezeichnung um eine regionale Zuordnung oder um eine konkrete Firma handelt, konnte bis heute aufgrund fehlender Unterlagen nicht geklärt werden, auch Nachfragen bei den entsprechenden Autoren ergaben keine weiteren Ergebnisse oder Belege.

Ergebnisse

In den vergangenen drei Jahrzehnten, in denen ich mich intensiv mit der Zuordnung und Datierung von historischen Teddybären beschäftige, sind mehrere Hundert dieser Bären bei allen möglichen Gelegenheiten aufgetaucht. Keines dieser Exemplare hatte ein originales Warenzeichen. Bei der Ähnlichkeit dieser Bären würde ein solcher Herkunftsnachweis auch nur schwer zur übertragen sein, da die Modelle wirklich extrem ähnlich ausgeführt sind und daher kaum einen Ansatz zur Unterscheidung durch spezifische Nuancen geben.

Es bleibt daher bei einer Zuordnung aller dieser Modelle in die bereits genannten europäischen Regionen ohne die Möglichkeit einer nachweisbaren Firmenherkunft. Zur zeitlichen Datierung bleibt zu sagen, dass es sich bei diesen Bären um typische Produkte – sowohl Material- als auch Design-bedingt – der Jahre um 1955 handelt.

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