Über die Yes-No-Tiere von Schuco

Als Bären lebendig wurden

11. August, 2016 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Über die Yes-No-Tiere von Schuco

Wie erhöht man den Spielwert eines Teddybären oder eines Stofftieres? Diese Frage stellte sich Heinrich Müller, Mitbegründer von Schuco, in den frühen 1920er-Jahren. Das Ergebnis dieser Überlegungen war die Schuco-Patent-Kopfbewegung, besser bekannt als Yes-No-Mechanik. Gesteuert über den Schwanz, konnte das Plüschtier den Kopf schütteln oder nicken.

Heinrich Müller, geboren im Jahr 1887, war Tüftler und Erfinder. Er fertigte bereits als junger Mann allerlei bewegliche Gegenstände. Mit 22 Jahren wurde er Mustermacher bei der großen Nürnberger Firma Bing. Drei Jahre später verließ er das Unternehmen, um zusammen mit Heinrich ­Schreyer eine eigene Firma zu gründen. Von 1921 an nannte sich die Firma „­Schuco“ – zusammengesetzt aus Schreyer & Co. Dieser Name hat bis heute einen Zauberklang, steht er doch für eine ungeheure Bandbreite an witzigem und ideenreichen Spielzeug für Jungen und Mädchen. Plüschtiere, tanzende Figuren, Autos, Flugzeuge – dem Erfindergeist setzten auch die teilweise wirtschaftlich sehr schlechten Zeiten keine Grenzen. So überdauerte das Unternehmen auch den Zweiten Weltkrieg.

Ein Bär, der mitreden kann

Ebenfalls im Jahr 1921 erfand Müller die Yes-No-Mechanik, eine simple aber innovative Technik. Über die Bewegung des Schwanzes konnten Bären oder Tiere entweder bejahend mit dem Kopf nicken, oder aber ihr Haupt schütteln. Dies erhöhte den Spielwert deutlich, da nun eine echte Interaktion mit dem Plüschtier stattfinden konnte. Dieses neuen Spieltiere wurden stark nachgefragt und auch in den Medien sorgte Müllers Erfindung für ein positives Echo. Dies belegt zum Beispiel ein Reklamebericht in der Deutschen Spielwarenzeitung aus dem Jahr 1921, die die neue Beweglichkeit der Plüschtiere aus Nürnberg so beschreibt“ … nicht nur der flinke Affe, auch der träge Teddy-Bär wird durch Schuco belebt. Wie ein lebendes Tier bewegt Schuco den Kopf in der natürlichsten Art, ­geradeso, als ob Schuco zu uns sprechen wollte, dabei den Beschauer von oben bis unten und von allen Seiten ansehend. Kurzum in Schuco ist Leben …“

Der Teddy-Bär ging voran, schnell aber folgten die anderen Plüschgesellen, Affen in Pagenkostümen – der sogenannte Messenger-Affe –, Panda-Bären und sogar – sehr selten – Enten mit Yes-No-Patent-Mechanik. Im Jahr 1925 erschien die Serie 168, ein Fuchs mit Brille und auf Wunsch mit roten „Funkelaugen“. Obwohl Müller sich seine Erfindung patentieren ließ, war diese gute Idee natürlich nicht vor Nachahmungen sicher. Im Jahr 1931 (in Deutschland) und 1932 (in Amerika) ließ sich die Firma Steiff eine zum Verwechseln ähnliche Halsmechanik patentieren. Auch in Bären anderer Unternehmen wie zum Beispiel Hermann und Bera wurde eine ähnliche Technik verbaut. Die Proteste von Schuco blieben erfolglos. Die Nürnberger konterten stattdessen mit einer besonderen Typenvielfalt.

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