Tanzbär

Sigrid Schramms Teddykünste

3. Dezember, 2010 - Kategorie: Aktuell, Teddy- und Plüschtierwelten
Tanzbär

Die Gegend um Weisenheim in Rheinland Pfalz zählt wohl zu den klimatisch mildesten Regionen Deutschlands, was eine gute Nachricht für Wanderer und Weinliebhaber sein dürfte. Bereits Friedrich Schiller schätzte Weisenheim. Zum Trocknen seiner Tinte ließ er sich eigens feinen Silbersand von dort zuschicken. Die Leser von TEDDYS kreativ allerdings schätzen diese liebliche Landschaft aus einem ganz anderen, aber nahe liegenden Grund. Dort ist der Bär los, der Teddybär.

Das hängt mit der putzmunteren, 56 Jahre alten Künstlerin namens Sigrid Schramm zusammen, die seit 24 Jahren den Teddy-Virus nicht bekämpft, sondern geradezu genießt und sorgfältig pflegt. Braucht sie als Ausgleich für ihre Teddyarbeit im Sitzen Bewegung an der frischen Luft, dann mischt sie sich unter die Pedalritter, schwingt sich auf ihr Fahrrad und besucht ihre Enkel Joel und Joshua in Bobenheim. Wenn sie so durch die beste Weinlage der Pfalz radelt, dann kommen ihr unterwegs allerhand neue Teddyideen in den Sinn und ihre Kreativität und Fantasie bekommt einen ordentlichen Schub.

Mohair-Gesellen

Längst sind es nicht mehr Puppen, die ihr Leben bestimmen, sondern Teddybären. Eines haben die liebenswerten, zwischen zwölf und 25 Zentimeter groß Petze, mit ihren Puppen von damals gemeinsam. Sie werden von ihrer Schöpferin mit Kordhosen und Hosenträgern, Mützchen, Kleidchen und Hausschuhen bestens und typgerecht eingekleidet. Diese bekleideten Bären sind der Hit bei Sammlern.

Ihre Teddyleidenschaft wird von ihrem Mann mitgetragen. Mit ihren bärenstarken Gesellen aus Mohair und Frottee erreicht sie viele Menschen, die mit ihr ebenfalls auf gleicher Wellenlänge liegen. „Ich hoffe, dass ich noch viele Jahre diesem beglückenden Hobby frönen und durch Ausstellungen und Wettbewerbe Freunde und Sammler daran teilhaben lassen kann.“ Auf den großen Messen in Deutschland fühlen sich die Künstlerin und ihre Bären wie zuhause. Ob in Wiesbaden, Rheda-Wiedenbrück oder Lindau, überall finden ihre zotteligen Kreationen großen Anklang. Besonders gern fahren sie und ihr Mann mit ihrem großen Campingbus nach Neustadt bei Coburg und nach Eschwege, wo sie sich über die vielen Begegnungen mit Teddy- und Puppen-Seelenverwandten freut.

In Bärenkünstler- und Sammlerkreisen wird Kommunikation ganz groß geschrieben. Kleinere Ausstellungen wie die in Wiesloch, Regensburg oder Geislingen haben auch ihren ganz speziellen Charme. „Man trifft auf Messen und Ausstellungen viele interessante und liebenswerte Menschen“, freut sie sich. Das spornt sie an, ständig auf der Suche nach neuen Ufern der Kreativität zu sein und unterschiedliche Tech­­niken auszuloten. Wie etwa die aus Mohairgarn gehäkelten 15 Zentimeter großen Teddys. Sie sind zwar arbeit- und zeitintensiv, aber wunderschön. Kreative Selbsterfahrung scheint nicht nur Berge zu versetzen, sondern füllt auch innere Batterien auf.

Teddymania

2001 nahm sie zum ersten Mal an Teddy­wettbewerben teil. Inzwischen kann Sigrid Schramm auf zahlreiche Aus­zeichnungen und Preise, die sie im Lauf ihrer Teddykarriere erhalten hat, zurückblicken. Sieben Mal gewann sie den TED Worldwide, vier Mal den Meisterteddy in Neustadt, je drei Mal den Goldenen George, den German Open Meisterteddy und den Jury- und Publikumspreis in Sonneberg. Was aber war der Auslöser für ihr Teddyfieber? Sigrid Schramm braucht nicht lange nachzudenken. „1999 erhielt ich den gläsernen Feenstab für meine Puppen Lena, die einen kleinen Teddy unter dem Arm trug. Diesen Teddy hatte ich selbst gemacht.“ Und urplötzlich wollte sie von dem Tag an nur noch Teddys kreieren, sehr zum Vergnügen ihrer Anhänger. Gebastelt und getüftelt habe sie eigentlich schon immer, aber so richtig los ging’s erst 1986, in der Zeit der Hexen aus Strumpfgewebe. So kam sie über Puppen auf Teddys.

Ihre liebenswerten, treuherzig aus schwarzen Glasaugen blickenden Bären werben um die Aufmerksamkeit des Betrachters, bitten ihn, sich auf eine Teddywelt voller Überraschungen einzulassen. Sie wol­­len bespielt und beschmust werden, trösten und an seinen Freuden teilhaben. Eigens für Kinder macht sie Teddys und Hasen aus Frottee, aber ohne Glasaugen. Aus Sicherheitsgründen, versteht sich.

Momentan hat sie großen Spaß daran, kleine Teddys und putzige Hunde aus Wolle zu filzen. Mal sehen, wie die gefilzten Tierchen von ihrer Fangemeinde aufgenommen werden. Die Zutaten klingen jedenfalls denkbar einfach. Man nehme: Filzwolle, grobe, mittlere und feine Filznadeln, einen Schwamm als Unterlage, Nadel und Schere, reißfesten Faden, Teddyaugen und eine große Prise Begeisterung und Geduld. Mit einer „gefilzten“ Gruppe, die sich aus einem Teddy, einem kleinen Hund und einem Teddywinzling im Kinderwagen zusammensetzt, belegte sie im Mai 2010 in Neustadt beim Publikumspreis in Neustadt den ersten Platz. Ein schöner Ansporn.

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