Szenische Kunst

Bärige Kreationen aus Australien

1. April, 2011 - Kategorie: Aktuell, Teddy- und Plüschtierwelten
Szenische Kunst

Kim McDonald liebt das Chaos – aber nur, solange es ihren Arbeitsbereich betrifft – im normalen Leben ist die Künstlerin wohlgeordnet. Im Melbourner Vorort Melton South lebt die Australierin Kim McDonald mit Ehemann Doug, Sohn David und ihrem Kater Angus, der es sich erlaubt, ab und an ein paar Bärenköpfe zu stibitzen.

In ihrem Haus unweit der Innenstadt von Melton South entstehen Kims Starickbears, Miniaturbären, die sich besonders gut in kleinen Szenen anordnen lassen. „Hier lebt es sich gut“, sagt Kim. An diesem malerischen Plätzchen entstehen die Teddys, die typisch sind für die Künstlerin und über ihren ganz eigenen „Vintage-Look“ verfügen.

Auf Kunst geprägt

Aufgewachsen mit fünf Geschwistern, war das Elternhaus die Heimstatt der Kreativität. „Meine Mutter nähte all unsere Kleidung, mein Vater war ein guter Handwerker“, erzählt die sympathische Australierin und fährt fort: „Meine Mutter brachte mir das Nähen bei, durch meinen Vater lernte ich, kreativ zu werden.“

Hobbies mochte Kim McDonald immer schon, egal welcher Art. Als sie einmal durch einen Second-Hand-Shop stöberte, stieß sie auf ein Buch über das Herstellen von Teddybären. „Ich dachte, dies könnte ein neues Hobby werden und versuchte mich daran.“ Kim kaufte das Buch, fand ein Stück Wollstoff und setzte sich an die Nähmaschine. „Ich nähte meinen ersten Bären genau nach dem Schnitt aus diesem alten Buch.“ Kim lacht, wenn sie zurückdenkt. „Es war ein richtig großer Bär. Er blickte sehr merkwürdig drein, er war dünn und ohne Fell. Ich mochte ihn nicht wirklich.“

Danach schaute sie sich in verschienden Zeitschriftenläden um und fand kurz darauf ein Teddymagazin, in dem sich ihr eine ganz andere Welt offenbarte. Die vielen Schnittmuster begeisterten sie. Was fehlte, waren die richtigen Stoffe und Materialien. Dieses Problem löste sich ebenfalls kurz darauf und die angehende Teddymacherin versuchte sich an Miniaturbären. „Ich wollte meinen Stoff nicht vergeuden, darum fing ich an, kleine Bären auszuprobieren. Zudem fand ich heraus, dass mir das Nähen per Hand gefiel. Es war sehr entspannend und begeisterte mich, obwohl es viel länger dauerte als mit der Maschine.“

Gelungenes Debüt

Mit jedem weiteren Bären erweiterte die Künstlerin ihr Wissen. „Am Anfang war es nur Spaß.“ Aber schon nach kurzer Zeit befand sich die Australierin auf ihrer ersten Ausstellung. Von den zwanzig mitgebrachten Bären war am Mittag keiner mehr übrig und sie nahm viele Aufträge mit nach Hause. „Das war überwältigend für mich, denn mit solch einem Zuspruch hatte ich nicht gerechnet.“ Die Teddykünstlerin erinnert sich gern an diesen ersten Auftritt zurück. „Von da an gab es nur noch das Bärenmachen für mich. Ich verbesserte ständig das Aussehen meiner Bären, versuchte mich an immer kleineren Teddys.“ Verschiedene Verlage traten an sie heran mit der Bitte um Veröffentlichung.

Auf diese Weise wurde Kim McDonald in Australien, aber auch im Ausland schnell bekannt. Im gleichen Maße bekamen ihre Starickbears schnell eine wachsende Fangemeinde.

„Im Moment reist mein kleiner Bär „Little Digger“ rund um die Welt zu verschiedenen Ausstellungen. Er hat eine eigene Artikelreihe in „Australian Bear Creations“, wo man seine Reise in Text und Bildern verfolgen kann.“

Antikes Ambiente

Als die Bärenmacherin zuerst mit den Miniaturen begann, waren es einzelne angezogene Teddys, die sie herstellte. Mit der Zeit versuchte sie sich an Häschen und kleinen Kätzchen, die ihre Bären liebkosen sollten. Daraus erwuchs die Liebe zum Detail. Ganze Szenen entstanden mit dem anheimelnden antiken Ambiente und wurden zu Kims Markenzeichen „Ich möchte jedoch in diesem Jahr wieder mit den einzelnen Bären weitermachen. Es ist nicht jedermanns Geschmack, sich eine ganze Szenerie aufzustellen.“ Kim denkt über neue Kreationen nach. „Viele Sammler haben mir gesagt, sie lieben meine älteren Bären sehr und ich möchte dieser Nachfrage nachkommen.“

Die Künstlerin arbeitet nicht nach einem strikten Plan. Am kreativsten ist sie nachts. „Wenn alle im Haus schlafen, wenn es still ist, dann höre ich Musik und nähe. Ich liebe auch die Geräusche der vorbeifahrenden Züge, manchmal ist sogar noch eine alte Dampflok dabei. Es beruhigt mich. Ich mag es, von zu Hause, wann immer ich es möchte, meiner Arbeit nachgehen zu können.“

Ihre ersten Teddybären entstanden aus Miniaturplüsch oder Kaschmir. Danach entdeckte Kim Sparse Mohair für sich. Heute arbeitet sie am liebsten mit Viskosestoff aus den 50er-Jahren. Dieser gibt den kleinen Bären einen molligen Mohair-Look, ist aber immer schwieriger zu finden. Kims Starick­­bears hatten von Beginn an entweder einen gewollt putzigen Gesichtsausdruck mit kurzer Schnauze oder wurden künstlich gealtert. „Ich nähe immer den Kopf zuerst, denn ich möchte sehen, wie sich der neue Bär meiner Idee anpasst. Meist nähe ich den neuen Bären aus einer Kombination meiner bestehenden Schnittmuster. Ein paar charakterformende Details verändere ich jedes Mal.“ Die Kollektionen bestehen immer aus Unikatbären.

Kim bekam anfangs viele Aufträge über den gleichen Bären. Sie wollte sich kreativer entfalten und stellte ihre Arbeitsweise um – keine Auflagen einzelner Designs mehr, sondern nur noch einmalige Teddys oder Szenen. Die Künstlerin liebt Aufträge, die ihr völlig freie Hand lassen.

Details

Kim McDonald stellt auf zwei australischen Ausstellungen im Jahr aus, nimmt aber an zahlreichen Wettbewerben teil, die ihr wiederum viele Auszeichnungen eingebracht haben. „Ich hänge sehr an meinen Bären. Wenn jemand an meinen Stand auf einer Ausstellung kommt und sagt ‚Oh, ich hätte ihren Bären mitbringen sollen‘, antworte ich ‚Nein, tun Sie das nicht. Ich würde ihn sonst sofort wieder mit nach Hause nehmen‘.“

Ihr Ehemann begleitet sie zu den Shows und unterstützt sie. „Er sitzt dann hinter dem Tisch, während ich mich mit den Kunden unterhalte. Dabei schätze ich vor allem seinen Humor“, lächelt Kim augenzwinkernd. „Während einer Ausstellung besuchte uns mein Schwager. Die beiden saßen hinter dem Ausstellungstisch. Eine ältere Dame kam vorbei und fragte, ob er die Bären genäht hätte. Freudig bejahte dies mein Mann und erklärte, dass sein Bruder für die Bärenkleidung zuständig sei.“ Kim lacht: „Meinem Mann sitzt der Schalk im Nacken. Die Dame ist aber mit einem freundlichen Wort der Bewunderung weitergegangen.“

Zukünftiges

Die Herstellung der verschiedenen Teddyszenen fordert Kims handwerkliches und schöpferisches Können, sei es das Arbeiten mit Holz, das Anstreichen und Ähnliches. Die Ideen dazu kommen ihr bei Besuchen von Flohmärkten, wo sie kleine, antike Kästchen, alte Operngläser oder auch metallene Teebehälter findet, die sofort in die bildlichen Szenen eingearbeitet werden. Details sind Kim McDonald äußerst wichtig. Ob Fotos, Bücher oder Miniatur-Schmuck – alles muss genau das richtige Flair haben. „Als ich an einer Scrapbook-Szene arbeitete, habe ich endlos lang an einem Miniatur-Scrapbook gewerkelt. „Mein Rat für Neulinge lautet daher: Nie aufgeben, nie zweifeln, sondern den Weg weitergehen.“ Kim wird nachdenklich. „Mit der Zeit und mit viel Übung erreicht man, was man sich vorgenommen hat.“ Die Bärenkünstlerin hat viele Ideen, mit denen sie sich in ihrem Leben gern intensiver beschäftigen möchte, dazu gehört unter anderem die Astronomie.

„Vor allem aber möchte ich solange wie möglich Bären nähen, und ich hoffe, dass meine Gesundheit und meine Finger bei diesem Unterfangen mitspielen. Trotz der Tatsache, dass mir Letztere immer mal wieder schwere Probleme wegen meiner Arthrose bereiten.“ Doch Kim McDonald schaut dennoch positiv in die Zukunft und freut sich auf ihren nächsten Teddybären.

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