Sweethearts

Teddybären ohne Nähen

26. Mai, 2011 - Kategorie: Aktuell, Teddy- und Plüschtierwelten
Sweethearts

Aleah Jean Klay ist eine Meisterin, wenn es um Miniaturen geht. Unter ihren Händen entstehen neben treuherzig blickenden Teddybärchen auch andere, wundersame und fantasievolle Geschöpfe im Kleinformat. Das Besondere an ihren Kreationen: Sie sind nicht genäht, sondern aus ofentrocknender Modelliermasse skulptiert. Das Fell wird anschließend kunstvoll appliziert.

Die Künstlerin ist überzeugt, dass ihre Kreativität und ihr Einfallsreichtum durch ihre Vita begünstigt wurden. Kurz nach ihrer Geburt zog es die Familie der gebürtigen Amerikanerin in die Schweiz, wo sie einige Jahre bis zur Rückkehr in die Staaten verbrachte. Heute lebt sie in Florida und denkt oft an ihre Jugend zurück. „Meine sieben Geschwister und ich verbrachten viel Zeit damit, uns Spiele auszudenken“, erzählt Aleah Klay. „Wir waren arm und hatten kein Geld für teure Spielsachen, aber dafür viel Fantasie. Unsere Betten wurden zu Hausbooten und der Fußboden war das Meer. Ich sprang von Boot zu Boot und sprach mit imaginären Delfinen.“

Früh übt sich

Heute ist sie davon überzeugt, dass es für ihr späteres Leben von Vorteil war, in bescheidenen Verhältnissen aufzuwachsen. Beim Spiel mit Salzteig formte sie schon als Kind erste Gesichter. Später als Teenager erschuf sie auf diese Weise Puppen. Zudem nähte Aleah Klay in dieser Zeit ihre Kleider selbst und malte viel. Mit dem Taschengeld, das sie sich als Babysitterin und Zeitungsausträgerin verdiente, kaufte sie ihre ersten Ölmalfarben. Mit 14 Jahren entdeckte sie dann Polymer Clay für sich, eine Modelliermasse, die im Ofen gehärtet wird, und begann sofort, damit zu experimentieren. Ein paar Jahre später verkaufte sie ihre selbstentworfenen Arbeiten. Zuerst an Freunde, Nachbarn und Schulkollegen, dann über einen eigenen Shop im Internet.

„Die Menschen denken oft, dass mein Name ein Künstlername ist“, lacht die gebürtige Amerikanerin, „aber dem ist nicht so. Klay ist ein Schweizer Nachname, Aleah eine Abänderung des Vornamens Leah. Meine Mutter dachte ihn sich während eines Gesprächs mit einer Freundin aus. Sie erzählte ihr, dass mein Name eine Mischung aus Eugene und Leah sein sollte. So kamen meine beiden Vornamen Aleah und Jean zustande.“

Ihr erster Bär, ein einfacher, grauer Teddy aus einer Zeitschrift, sollte laut Vorlage ein Weihnachtsmannteddy mit typischer Bekleidung werden, doch die junge Frau wandelte ihn kurzerhand ab und fertigte stattdessen einen weißen Cordanzug mit kleinen lila Herzen auf den Taschen. Der Teddy hatte zwar schiefsitzende Augen, wurde aber trotz allem heiß und innig geliebt. „Seitdem haben mich die Teddybären nie wieder losgelassen.“ Sie geht sogar so weit, zu sagen, dass die Bären ihr Leben verändert haben. „Ich lernte, hart zu arbeiten und jede Sekunde zu nutzen. Wenn ich darauf warte, dass Farbe trocknet oder Modelliermasse härtet, beginne ich schon wieder mit etwas Neuem.“ Meist arbeitet Aleah Klay an drei bis fünf Miniaturen gleichzeitig. Da die Teile sehr klein sind, oft weniger als 2,5 Zentimeter groß, übersieht sie schon mal das eine oder andere Ärmchen, Beinchen oder Pfötchen und muss daher oftmals Partikel neu modellieren.

Werkstoffe

Dem Werkstoff Polymer Clay ist Aleah Klay bis heute treu geblieben. Sie skulptiert daraus die Körper und Gesichter ihrer kleinen Kunstwerke, lässt sie härten und appliziert danach Fell oder Textil­fasern. Sie modelliert Zubehör nach Bedarf, verwendet Fäden und Papier oder schneidert Accessoires selbst. Hierbei ist es wichtig, das Gesamtdesign im Auge zu behalten, damit das Ergebnis am Ende auch stimmig ist. „Ich habe kein Lieblingsmaterial, aber ich finde Modelliermasse sehr nützlich. Ich kann damit genau das machen, was mir vorschwebt. Wenn ich ein Blümchen in das Haar eines Teddys stecken will, kann ich dieses nicht einfach in einem Laden kaufen – so etwas Kleines gibt es gar nicht.“

Das Beobachten der Natur inspiriert die Miniaturkünstlerin immer wieder zu neuen Kreationen. Wenn sie aus ihrem Fenster hinausschaut, sieht sie den Ozean und fühlt die Natur, die sich um sie herum mit jedem Moment verändert. Öffnet sie morgens die Vorhänge, flitzen schon einige Eichhörnchen über den Weg und suchen Samen oder Nüsse. Sie spielen miteinander oder verfolgen sich gegenseitig. „Ich starte den Tag mit einer Tasse Kaffee, die ich auf meinem Balkon trinke. Den Tieren zuzusehen und den Wind zu spüren entspannt mich. Oft gehe ich auch mit ein paar Utensilien an den Strand, schaue mich um und lasse alles auf mich wirken.“ Von der Natur umgeben zu sein, ist Aleah Klay wichtig. Sie braucht die gedankliche Leichtigkeit, um bei ihren Kreationen den unschuldig wirkenden Ausdruck zu vervollkommnen.

Ihr Studio beschreibt sie als das Chaos schlechthin. „Ich habe einfach zu viele Ideen und nie genug Zeit für alles. Da wird Putzen und Aufräumen ganz nach hinten geschoben. Fotos, die als Gedankenstützen gemacht wurde, liegen kreuz und quer. Zu allem Überfluss meint mein Kätzchen auch noch, dass alle Sachen nur zu ihrem Vergnügen hingelegt wurden. So fliegen dann schon mal die mit Bleistiften und Buntstiften gefüllten Gläser und Dosen sowie die Stapel an Fotos und Papieren über den Tisch beziehungsweise den Fußboden.“

In einer Ecke ihres Arbeitszimmers hat sie ihr Fotostudio ­eingerichtet, in einer ­anderen stehen ­Mal­uten­si­lien, in der nächsten wiederum hat sie sich ein Plätzchen zum Modellieren geschaffen. Besucher sind sich sofort darüber im Klaren, dass sie sich hier im schöpferischen Chaos einer Kreativ-Schmiede befinden.

Kreatives Chaos

Aleah Klay bezeichnet sich selbst als rastlos, immer auf der Suche nach der nächsten Idee. Wird es ein fliegendes Schwein sein, ein neugieriger Waschbär oder der nächste stilvolle Teddybär? Die Möglichkeiten scheinen schier endlos zu sein und immer wieder ist sie bewegt und aufgeregt, wenn sie vor einem neuen Klumpen Modelliermasse sitzt. „Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich so schnell arbeite. Ich kann es nicht abwarten, den nächsten Entwurf zu sehen – meine Ungeduld gewinnt fast immer die Oberhand.“

Alle Miniaturen sind handmodelliert. Es gibt keine Formen oder Schnittmuster, die Aleah Klay verwenden würde. Jede Kreation ist einmalig und somit ein Unikat. „Manchmal sehe ich eine Farbe oder eine Farbkombination, die mich anspornt, sie beim nächsten Bären umzusetzen. Dann wieder muss ich ein Gefühl oder eine Empfindung sozusagen ‚loswerden‘. Es ändert sich bei jedem Stück. Das einzige, was sich immer wiederholt, ist das arglose und unschuldige Aussehen meine Lieblinge. Ich möchte, dass die Betrachter verwundert sind, lächeln und positiv reagieren. Es gibt soviel Not auf dieser Welt – meine Geschöpfe sollen schön sein und Freude machen.“

Das Wichtigste beim Bärenmachen sind für die Miniaturexpertin insofern auch die Gestaltung des Gesichtsausdrucks und das Herausbringen eines individuellen Charakters. Sie ist davon überzeugt, dass man ihre Liebe zur Herstellung in ihren Ergebnissen bemerkt. „Wenn das Herz nicht bei der Sache ist, dann kann keine positive Arbeit entstehen.“ Nachwuchskünstlern rät sie, hart an sich zu arbeiten, sich selbst ständig auf die Probe zu stellen, neue Techniken zu lernen und unbedingt einen eigenen Stil zu entwickeln. Aleah Klay selbst wächst mit jeder ihrer Kreationen. Sie experimentiert viel und versucht stets das Neue, Unbekannte zu erforschen.

Die Künstlerin nimmt nicht an Wettbewerben teil und zeigt sich auch nicht mehr auf Ausstellungen. „Ich bin äußerst scheu“, erklärt sie. „Meine Zurückhaltung lässt mich eher im stillen Kämmerlein arbeiten. Große Shows sagen mir einfach nicht zu. Ich bin zudem der Meinung, dass meine Bären wegen ihrer recht speziellen Herstellungsart nicht in den Teddywettbewerben konkurrieren können.“ Doch dank des Internets haben ihre kleinen Kreationen Freunde und Liebhaber auf der ganzen Welt gefunden. „Ich habe gelernt, zu kommunizieren und mich auszutauschen. Mittlerweile beflügeln mich die Kontakte zu anderen Miniaturkünstlern und den Sammlern.“

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