Steiff-Sonderauktion in Ladenburg

Sammlertraum

15. April, 2016 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Steiff-Sonderauktion in Ladenburg

Wertvolle antike Steiff-Bären kamen in diesem Winter bei der Ladenburger Spielzeugauktion unter den Hammer. Götz C. Seidel und seine Tochter Pia brachten die hochwertigen Plüschgesellen im stilvollen Ambiente des Unternehmenssitzes zum Aufruf. Das Interesse an den aufgerufenen Stücken war sehr groß.

Die Entscheidung der Einlieferer die Familie Seidel für die Veräußerung ihrer Sammlung zu wählen, war sicherlich genau die Richtige; eine Sammlung in diesem Umfang gehört einfach in liebevolle und erfahrene Auktionatoren-Hände. Der besonders aufwändig gestaltete Katalog und die Internet-Präsenz der Ladenburger Spielzeugauktion versprachen bereits im Vorfeld ein Erlebnis, das es in den vergangenen zehn Jahren für Sammler historischer Plüschtiere auf deutschem Boden nicht mehr gegeben hat.

Traumhafte Stücke

Die Qualität und die Auswahl der eingereichten Stücke war vor allem für Sammler historischer Teddybären ein purer Augenschmaus und ließ das Sammlerherz jedes Arctophilen in ungeahnten Höhen schlagen. So wurde dann auch der Beginn der Auktion von allen Anwesenden mit Spannung erwartet; schon bei der Vorbesichtigung am Freitag herrschte im Ausstellungssaal reges Treiben. Jeder ernsthafte Interessent wollte sich natürlich im Vorfeld von der Qualität der angebotenen Stücke persönlich überzeugen.

Der größte Teil der Sammlung bestand aus Steiff-Teddybären der Produktion vor 1980 mit vielen Vorkriegsexponaten und endlich einmal musste man sich als Sammler historischer Teddybären nicht durch endlose Mengen an Repliken oder Sammlerbären der Neuzeit arbeiten. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass bereits kurz nach Auktionsstart im prall gefüllten Saal die ersten erstaunlichen Ergebnisse für zwei Teddyzwerge zu verzeichnen waren: Zum einen erzielte ein 10 Zentimeter großer, weißer Wollplüschteddy aus der Produktion nach 1939 einen Zuschlag von 2.300,– Euro. Aufgrund seiner Seltenheit und der extrem raren Papierfahne mit der Nummer 5510 sicherlich hoch aber gerechtfertigt. Direkt im Anschluss war ein weiterer kompletter kleiner Teddy in einer seltenen schwarzen Ausführung aus dem Jahr 1963 zu haben. Dieser erzielte mit 5.800,– Euro Zuschlag schon einen Preis, der die in letzter Zeit häufig gehörte Unkerei, der Steiff-Markt sei zusammengebrochen, frühzeitig und endgültig ad absurdum führte.

Hohe Erlöse

Weitere besondere Stücke aus der Teddyproduktion von Steiff waren ein sehr seltener kleiner Dicky 5313 mit 18 Zentmeter Stehgröße aus den frühen 1930er-Jahren, der trotz seines bespielten Zustandes immerhin einen Zuschlagspreis von 1.500,– Euro erzielen konnte. Ein toller Beleg dafür, dass seltene Teddys von wahren Teddysammlern auch ohne komplette Warenzeichen wie Brustschild oder lesbare Ohr­fahne gewürdigt werden.

Dies gilt auch für einen Pupp-Bären 22,1 aus der Zeit um 1933 mit Sporthemd und blauer Hose, der trotz leicht verschlissener Kleidung, fehlender Krawatte und leichten Wollplüschverlusten noch ganze 1.600,– Euro erzielte. Aus der Sicht eines Teddysammlers ein völlig gerechtfertigter Preis bei dem traumhaften Gesichtsausdruck; für den spekulativen Geld­anleger sicher zu viel.

Stunde des Petsy

Im weiteren Angebot war auch einer der Steiff-Klassiker schlechthin: Petsy mit blauen Augen und braun gespitztem Fell aus den Jahren 1928 bis 1930. Ein gut erhaltenes Exemplar 5328,2 (40 Zentimeter Stehgröße) überstieg erwartungsgemäß die 5.000-Euro-Grenze mit Leichtigkeit und wechselte für 7.100,– Euro den Besitzer. Für einen der Überraschungspreise des Tages sorgte dann eine weitere Ausführung eines Petsy mit blauen Augen; hier war es die seltene Ausführung als Handpuppe, dem sogenannten ­Kasper-Petsy 317, der in gutem, leicht verblichenen Erhaltungszustand mit 5.300,– Euro Zuschlagspreis für erstaunte Gesichter im Saal sorgte.

Viele hohe Ergebnisse für die meisten Steiff-Teddybären machten den weiteren Verlauf der Auktion spannend und nur wenige Lose blieben unter den Erwartungen. Das Schnäppchen des Tages war hier wohl ein 17 Zentimeter großer Jubiläumsteddy Jackie, der in fast perfektem Zustand mit lesbarer Ohrfahne 5317 und originaler Halsschleife für nur 390,– Euro zugeschlagen wurde.

Für Sammler von Steiff-Tieren war sicherlich der seltene Orang-Utan „­Mimocculo“ mit Augenmechanik eines der interessantesten Stücke im Angebot; hier lag dann der Zuschlag bei sehr guten 5.500,– Euro, trotz fehlender Ohrfahne und Brustschild.

Über den Tellerrand

Sammler von Teddybären, die nicht ausschließlich Plüschveteranen aus Giengener Produktion suchen, wurden natürlich auch bedient: Hier war es ein seltener Teddy der Firma Süssenguth – ein sogenannter Peter-Bär mit rollenden Augen – der mit einem Zuschlagspreis von 1.100,– Euro den neuen Besitzern bestimmt viel Freude bereitet. Für eine der Überraschungen des Tages sorgte ein Konvolut mit Steiff-Holzspielzeugen – unter anderem eine extrem seltene Stehauf-Figur als Nikolaus – das mit einem Zuschlagspreis von 2.900,– Euro noch einmal für erstauntes Raunen beim Publikum sorgte.

Der weiße Titelheld war mit einem ordentlichen Zuschlag bei 6.000,– Euro dagegen keine besondere Überraschung. Von den über 400 Losen war diese Auktion mit nur fünf nicht verkauften Artikeln ein toller Beleg für das noch immer große Interesse an historischen Teddybären und man darf gespannt sein, was das Auktionshaus Seidel in Ladenburg bei seinen nächsten Veranstaltungen anbieten kann.

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