Postkarten aus der Frühzeit des Teddybären

Liebesgrüße vom Bären

17. Februar, 2016 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Postkarten aus der Frühzeit des Teddybären

Im Jahr 1861 wurde in den Vereinigten Staaten die erste Postkarte verschickt und sie trat einen unvergleichlichen Siegeszug an. In den kommenden Jahren wurden Unmengen bunter, liebevoll gestalteter Karten verschickt, empfangen und gesammelt. Bei der Gestaltung waren der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Besonders beliebt war das Motiv des Bären.

Private Postkartengrüße zu verschicken, war in den Vereinigten Staaten von Amerika ab 1861 möglich und kam um das Jahr 1900 groß in Mode. Das goldene Zeitalter des sogenannten „Postcard Craze“, des Postkarten-Sammelwahns, wird in die Jahre zwischen 1898 und 1918 datiert. Zu der Zeit wurde häufig gewitzelt, dass drei wichtige Bücher in jede „Gute Stube“ gehörten: die Bibel, das Familien- und das Postkarten-Album. Neu war, dass neben Glückwunsch- und Feiertagskarten auch Souvenir- und Sammlerkarten auf den Markt spülten. Man brauchte keinen Anlass mehr; ein Geschenk fürs Sammelalbum reichte als Kaufmotivation.

Schriftfelder

Als das Reisen im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erschwinglich wurde, kamen die sogenannten Reisekarten in Mode, besonders aus den großen Badeorten. Die damaligen Vorschriften der Post verboten es, etwas auf die Seite mit der Empfänger-Adresse zu schreiben. So kritzelte man kurzerhand eine Nachricht auf die Bildseite. 1907 änderte sich diese Bestimmung in den Staaten. Die Rückseite des Bildes wurde nun zweigeteilt – ein Teil für die Adresse, der andere für den Text. Das unterstützte nicht nur das Mitteilungsbedürfnis des Absenders in einer Zeit ohne andere Kommunikationsmöglichkeiten, es gab auch der massenhaften Verwendung der Postkarten enormen Vorschub. Die Vorschriften der deutschen Post wurden ebenfalls sehr bald angepasst.

Durch den Ausbau der Eisenbahn und anderer Verkehrswege wurde die Dauer der Zustellung im 20. Jahrhundert deutlich verkürzt, sodass man in einem Radius von 100 Kilometern davon ausgehen konnte, dass am Morgen abgeschickte Karten noch am selben Abend beim Empfänger eintrafen. „Ich schick Dir ´ne Karte“ entsprach dem heutigen „Ich schick Dir ´ne Kurzmitteilung aufs Handy“. Mancherorts gab es drei Postzustellungen täglich.

Unterschiedliche Formen

In den USA waren Postkarten mit gereimten Vierzeilern besonders beliebt, die das Bild kommentierten und so die Karten zu kleinen literarischen Miniaturen machten. Weit verbreitet war die Mode, gleichartige Postkarten in Serien mit ähnlichen Themen herzustellen. Oft wurden ganze Geschichten quasi in Fortsetzung erzählt. Damit wuchsen die kleinen Werke über das Maß einer Kurzgeschichte und den Charakter eines ­Cartoons hinaus. Die Karten waren dabei als eigenständiges, fertiges Motiv auch einzeln ­gebrauchsfähig.

Es hat auch sogenannte „Puzzle­serien“ gegeben, die erst zusammengesetzt das vollständige Motiv zeigten. Zwischen drei und dreißig Postkarten waren nötig, um ein vollständiges Motiv zu erhalten. Geplant war, dass täglich eine Karte abgeschickt werden sollte, bis das Bild vollständig war, eine sichere Methode, den Umsatz zu steigern. Serien lösten den Wunsch nach Vollständigkeit und damit heftige Sammelimpulse aus, die den Verkauf anheizten. Im Zuge dessen kamen nun vorgedruckte Postkartenbücher in Mode, die solche Serien komplett enthalten sollten sowie allgemeine Sammelalben zum Einsortieren anderer Karten. Beides trug erheblich zur Umsatzsteigerung bei.

Literarisches

Im New Yorker Ullman-Verlag erschienen um 1907 zwölf ungewöhnliche Bücher, die ein Beispiel für die hohe Wertigkeit von Postkarten sind, denn sie entstanden aus zuvor sehr erfolgreichen Postkartenserien und trugen sogar deren Titel. Das ist ungewöhnlich, denn Postkarten entstanden sonst erst, nachdem sich ihre Motive in Büchern als erfolgreich erwiesen hatten. Es handelt sich dabei nicht um Sammelalben für die Karten, sondern um eigenständige Bücher des Textautors Goldsmith. In der zugehörigen Anzeige heißt es: „Die Geschichten und Reime sind von einem bekannten Autor von Kindergeschichten.“

Der Höhepunkt der Postkartenmode fiel mit dem Teddyboom 1907 in Amerika zusammen. In Deutschland war Steiff zur selben Zeit noch sehr bemüht, den neuen Bären auch hier heimisch zu machen, benötigte man doch nur 10 Prozent der Produktion für den deutschen und englischen Markt. Alle anderen Bären wanderten nach Amerika aus. Dass in Deutschland sehr früh eine große Zahl Postkarten mit Teddybären erhältlich war, vermutlich mehr als Teddybären selbst, lag daran, dass viele englischsprachige Postkarten in Deutschland gedruckt wurden; so lag es nahe, die Motive auch mit deutschen Beschriftungen zu versehen und hier zu vertreiben.

Der Hersteller der abgebildeten Bären wurde niemals angegeben; eine Ausnahme bildete nur die Firma Steiff, die Karten im firmeneigenen Atelier zu Werbezwecken herstellte. Firmenunanabhängige Postkarten wollten Geschichten über Teddybären erzählen und so ganz nebenbei natürlich auch ein bisschen den Empfänger grüßen. Die Postkartenflut kam der Verbreitung des Teddybären aus Plüsch gerade recht. Teddykarten begannen den Markt zu überschwemmen und wirkten unfreiwillig wie eine große Werbeaktion für das erst fünf Jahre alte neue Spielzeug. Wird bis 1906 meist noch allgemein von „Bär“ oder auf englischsprachigen Karten von „Bruin“ gesprochen, ist in den Jahren danach auch in diesem ­Bereich der Name Teddy nicht mehr wegzudenken. Jeder kennt ihn und weiß, welche Erscheinung damit gemeint ist.

Nach dem Ersten Weltkrieg halbierte sich die Zahl der verschickten Postkarten. Das Porto hatte sich verdoppelt, die Zahl der Telefone wuchs, und Postkarten sind seitdem weitgehend auf Glückwünsche und Urlaubsgrüße reduziert.

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