Kennen Sie Bärstetten?

Dorf für Teddys im Spielzeugmuseum Thun

8. Oktober, 2014 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Kennen Sie Bärstetten?

Mit ihren rund 45.000 Einwohnern ist Thun die elftgrößte Stadt der Schweiz und schmiegt sich malerisch an den Thuner See. Bärenfans, die eine Reise zu den Eidgenossen vorhaben, sollten unbedingt einen Ausflug in dieses Städtchen planen. Schließlich gibt es hier ein faszinierendes Spielzeugmuseum, das zudem ein eigenes Teddydorf beheimatet.

Reisender, kommst Du ins Berner Oberland, einen Abstecher nach Thun am gleichnamigen See solltest Du nicht versäumen. „Thun ist eine einzigartige Stadt mit großen und kleinen Trouvaillen“, wirbt Stadtpräsident Raphael Lanz für das Idyll, das per Bahn, per Schiff oder mit dem Auto zu erreichen ist. Das Stadtoberhaupt nennt „das monumentale, weithin sichtbare und neu herausgeputzte Schloss etwa, oder das feine Spielzeugmuseum am Fuße des Schlossbergs. ‚Klein aber fein‘, könnte man sagen, und eben einzigartig – gerade wie Thun auch.“

Faszinierende Sammlung

Am „Bahnhofsvorstand“ im Spielzeugmuseum Thun führt kein Weg vorbei. Er ist von stattlicher Größe, trägt die Kappe mit dem geflügelten Rad und die grün-weiße Kelle. Er fordert die Besucher auf, einen Knopf zu drücken, um die Eisenbahnen in Bewegung zu setzen. Wenn das Signal Grün zeigt, versteht sich. Macht der Museumsgast die Bekanntschaft mit diesem bärigen „Bahnhofsvorstand“, ist er schon in der oberen Etage der imposanten Spielzeugsammlung angelangt.

Auf zwölf Räume des denkmalgeschützten Hauses in der Thuner Burgstraße sind die Ausstellungs­stücke verteilt: Puppen, Puppenstuben, Teddys, Spieltiere, Handspielpuppen, Holz- und Blechspielzeug, Baukästen, Kinderbücher – kleine und große Kostbarkeiten aus anderthalb Jahrhunderten. Nach speziellen Themen geordnet, wecken sie bei Älteren Erinnerungen, bei Jüngeren Neugier und Staunen über das, womit Oma und Opa oder gar die Urgroßeltern gespielt haben. Als an ­Nintendo oder ­PlayStation noch nicht zu denken war.

Ort der Begegnung

„Unser Anliegen ist nicht in erster Linie eine Anhäufung von möglichst wertvollen Gegenständen“, erläutert Museums-Leiterin Edith Schönholzer, „unser Haus soll vor allem ein Ort der Begegnung sein, mit Spielabenden, Kinderateliers und verschiedenen Rahmenprogrammen zu Sonderausstellungen“. Für die Teddys, die sie zu ihren liebsten Museums-Objekten zählt, hat Edith Schönholzer gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Jürg Reimann ein Dorf gebaut: Bärstetten. Turbulent geht´s dort zu. Bären verschiedener Marken aus der Zeit von 1920 bis 1950 sind beim Dorffest in voller Aktion.

Die Anfänge des Museumsprojekts liegen neun Jahre zurück. Zwei Frauen, Elisabeth Affolter und Edith ­Schönholzer, waren sich einig, die Spielsachen, die im Laufe der Zeit – wie sie sagen – mehr zufällig in ihren Besitz gekommen waren, öffentlich vorzustellen. „Ich hatte zwar schon früher kunsthandwerkliche Ausstellungen organisiert“, erzählt Edith Schönholzer, „doch die Idee, ein kleines Museum zu gestalten, reizte mich“. Am 27. Mai 2005 konnten die beiden Vorreiterinnen ihren Traum verwirklichen. Alte Puppen, Krämerladen und Puppenküche bildeten den Grundstock.

In zwölf Räumen

Der Einfall steckte andere an. Zuhauf schleppten sie ihre Schätze herbei. Als Geschenk oder Leihgabe. Erfahrene Sammler halfen mit Ratschlägen. „Es grenzt schon ans märchenhafte, dass unser Museum innerhalb weniger Jahren von zwei auf zwölf Räume erweitert werden konnte“, sagt Edith ­Schönholzer, die jetzt gemeinsam mit mehreren Mitarbeitenden die Geschicke des Hauses lenkt. Dass die ­Museumscrew all das mit ehrenamtlichen Kräften stemmt, ist bewundernswert. Öffentliche Unterstützung gibt es (noch) nicht. Einnahmen aus Eintrittsgeldern allein könnten das Projekt nicht tragen. 287 Mitglieder des ­Fördervereins unterstützen es mit einer Jahresspende.

Mit Margrith von Fellenberg aus dem nahe gelegenen Hilterfingen steht dem Museumsteam eine erfahrene Bärenkünstlerin zur Seite. Einige ihrer ­„Rosenegg Bären“ werden im ­Museum zum Verkauf angeboten. In ihrer Werkstatt entstand auch der „Bahnhofsvorstand“. Seit rund fünf Jahren hat er seinen Stammplatz im Museum. Und fordert den Besucher auf, den Knopf zu drücken.

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