Im Vierteltakt

Spielzeugausstellung in Nürnberg

8. Januar, 2010 - Kategorie: Aktuell, Szene
Im Vierteltakt

Frühling, Sommer, Herbst und Winter – das Spiel von Kindern variiert mit den Jahreszeiten, wie eine Sonderausstellung des Spielzeugmuseums Nürnberg zeigt. Bis zum 21. Februar 2010 werden typische Spielsachen und Spiele vom Anfang des 20. Jahrhunderts präsentiert, die einen Einblick geben in die Spielwelt von Großmutters Zeiten.

Im Gegensatz zu heute wurde früher weitaus mehr im Freien gespielt. Freiräume zum Spie­­len sind in unserer Zeit immer seltener geworden. Zunehmende Verstädterung, lebensgefährlicher Straßenverkehr und attraktive, gekaufte Spielzeuge haben die seit Jahrhunderten tradierten Kinderspiele im Freien innerhalb der letzten 50 Jahre weitgehend verschwinden lassen. Zu den klassischen Geschicklichkeitsspielen im Frühjahr, die offene Bodenflächen ohne Bewuchs verlangten, gehörten Peitschenkreisel und Murmeln. Während der „Murmelsaison“ gab es kaum ein Kind, das nicht mit den „Schussern“ oder „Klickern“ aus Ton oder Glas spielte.

Frühling und Sommer

Erinnerungen an Kindertage im Frühling ranken sich meist auch um das Osterfest und sein Brauchtum rund ums Ei. Österliche Saisonartikel aus Pappmaschee wie Eier und Hasen zum Befüllen kamen vorwiegend von der thüringischen Spielwarenindustrie. Darüber hinaus nahmen Spielwarenfirmen Ostern gern zum Anlass, Spielzeug passend zum Fest auf den Markt zu bringen. Osterspielsachen wurden in zahlreichen Varianten gestaltet: Hasen, Kaninchen, Lämmer, Hennen oder Küken aus Holz, Blech oder Plüsch. Hinzu kamen noch andere Frühlingsboten der Tierwelt wie Störche und Singvögel.

Bereits im 19. Jahrhundert erkannten Pädagogen die elementare Bedeutung von Natur und Garten für die Kindererziehung. Botanische Kenntnisse wurden Kinder in vielen Spielarten oder auch mit Baukästen, Quartettspielen und Büchern beigebracht. Werkzeuge und Gegenstände zum Arbeiten im Garten sind bis heute Standardartikel in der Spielzeugwelt. Zur längerfristigen Erholung fuhren bürgerliche Familien in den großen Ferien in die so genannte „Sommerfrische“.
Während in ländlichen Gegenden im Sommer viele Kinder beim Einbringen der Ernte mithelfen mussten, gehörte für begüterte Schichten ein Aufenthalt im Gebirge oder an der See zum gehobenen Lebensstil. Der Strand und das Meer boten viele Möglichkeiten, mit Segelschiffen zu spielen oder mit Schaufel und Spaten Sandburgen zu bauen.

Der Sommer war früher die Zeit, in der Kinder nachmittags, wenn die Hausaufgaben erledigt waren, „an die frische Luft“ geschickt wurden. Es gab auf den Höfen und Plätzen immer genügend Kinder, mit denen im Freien gespielt werden konnte. Abgesehen von allerlei Kegel-, Kugel-, Feder- oder Fangballspielen genügte meist ein Ball.

Herbst und Winter

Der Herbst bietet eine Fülle an kostenlo­sem Spielmaterial, das jedem zur Verfügung steht. Kastanien, Eicheln und Bucheckern dienten schon immer als Bastelmaterial für Figuren und Zimmerschmuck. Im steten herbstlichen Wind konnten selbstgefertigte Papierdrachen auf den freien Flächen der abgeernteten Felder aufsteigen. Der Flugdrachen ist das älteste und einfachste Mittel, die Sehnsucht des Menschen nach dem Fliegen auszudrücken. Der Herbst war auch die Zeit für Windmühlen und Windspiele, später ebenso für Modellflugzeuge.

Licht spielte in der dunklen Jahreszeit schon immer eine wichtige Rolle. Höhepunkt der Sehnsucht nach dem Licht bildet das Weihnachtsfest. Viele größere Spielsachen wie Puppenstuben oder Kaufläden wurden von den Eltern nur zu Weihnachten hervorgeholt und aufgebaut. Insgesamt sind Wintermonate die beste Zeit für Bücher und Gesellschaftsspiele, in denen die Jahreszeiten selbst ein weit verbreitetes Motiv darstellen. Schneemannbauen, Schlittenfahren und Eislaufen sind jahrhundealte Winter­vergnügen, die fast jedem Kind möglich waren. Richtigen Wintersport wie Skilaufen konnten wegen der speziellen Ausrüstung jedoch nur wenige ausüben. Als Kinderspielzeug und Sportgerät sind Ski in Deutschland erst seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt.

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