Fischerbären und andere Tiere

Profi-Design

15. April, 2013 - Kategorie: Aktuell, Teddy- und Plüschtierwelten
Fischerbären und andere Tiere

Ale˙ Fischer aus Erfurt ist Bären-Künstlerin im Hauptberuf – und das seit mittlerweile 20 Jahren: Als Diplom-Formgestalterin hat sie Entwurf, Design und handwerkliche Umsetzung von der Pike auf erlernt. Nach und nach wurden Teddys und andere Plüschtiere zum Schwerpunkt ihrer Arbeit.

Seit 20 Jahren ist die gebürtige Litauerin Alė Fischer Teil der internationalen Bärenszene und begeistert mit ihren Kreationen Enthusiasten und Hobbyeinsteiger gleichermaßen. Die Bärenmacherin ist gelernte Form-Designerin und weiß genau, was zu tun ist, um ein kleines Kunstwerk in Perfektion zu fertigen. Der Grundstein für ihre kreative Arbeit wurde bereits in Kindertagen gelegt. Ihr Vorname ist im Übrigen in Litauen sehr gebräuchlich und wird ohne besondere Lautfärbung ausgesprochen.

Jugendjahre

Alė Fischer erinnert sich: „Ich verbrachte eine wunderschöne Kindheit auf unserem Bauernhof in der Nähe von Vilnius. Ich bin zwischen Kaninchen, Schafen, Katzen und meinem lieben Hund aufgewachsen. Angeregt durch das Spiel mit diesen Tierfreunden und geborgen in einem Umfeld mit dem Duft von frischen Holzspänen aus Vaters Tischlerwerkstatt und dem Klappern von Mutters Webstuhl, begann ich schon früh, meine eigenen Spielsachen in Holz und Stoff zu formen. Damals habe ich nicht im Traum daran gedacht, dass ich Jahre später ein Designstudium am staatlichen Kunstinstitut in Vilnius absolvieren würde. Dort habe ich die unterschiedlichsten Gestaltungstechniken und nahezu alle verfügbaren Materialien kennen gelernt. Besonders die Begegnung mit dem Werkstoff Ton half mir, meinen gestalterischen Ideen eine Form zu geben.“

DDR-Spielzeug

Nach dem Studium arbeitet Alė Fischer einige Jahre in einem Projektierungsbüro in Vilnius und entwirft unter anderem auch Holzspielzeug. 1978 wechselt sie dann das Metier und gestaltet von nun an Plüschspielzeug. Als Erfurt im Jahr 1984 zur zweiten Heimat für Alė Fischer wird, beginnen erfolgreiche Jahre des Schaffens im Kombinat Sonni in Sonneberg – dem Flaggschiff der einstigen DDR-Spielzeugindustrie.

Ausgezeichnet

„Es war 1988, ich war mitten in der Babypause, als ich einen Anruf der Kombinatsleitung erhielt: Meine Hasenserie, die ich damals entworfen hatte und auf die ich noch heute sehr stolz bin, hatte auf der Leipziger Herbst­messe eine Urkunde für gutes Design erhalten.“ Dieser Erfolg ist ein Ansporn für Alė Fischer, nach der Wende den Weg in die Selbstständigkeit zu wagen. „Das war ein Riesenschritt für mich, denn ich musste quasi bei null anfangen. Ich war schließlich niemandem bekannt: Selbst wenn man innerhalb eines Kombinats im wahrsten Sinne ausgezeichnete Arbeiten ablieferte, wurde man als Designerin selten namentlich erwähnt.“

Neuanfang

Wenn man ohnehin noch mal komplett von vorne anfangen muss, warum also nicht etwas ganz Neues ausprobieren, dachte sich Alė Fischer, die den niedlichen Kuscheltieren aus Plüsch nichts mehr abgewinnen konnte. „Da war irgendwie die Luft raus, ich wollte nichts Liebliches mehr sehen und auch keine traditionellen Teddybären entwerfen. Mir schwebte etwas Ausgefallenes, ganz und gar anderes vor. Meine Bären sollten durch eine naturalistischere Formensprache Aufmerksamkeit erregen und ein wenig verblüffen.“

In der Folge entstehen in Erfurt schwerpunktmäßig Bären mit dichtem, naturalistisch wirkendem Fell, deren Sohlen und Nase aus Leder gefertigt waren. Anregungen holt sich Alė Fischer aus Bildbänden über Bären in freier Wildbahn. Als die Designerin erstmals 1994 auf der Creativa in Dortmund ausstellt, ist der Zuspruch auf Anhieb enorm. Es war die Zeit, in der sich viele unterschiedliche Richtungen bei der Gestaltung von Teddybären entwickelt haben. Einer der stilistischen Seitenpfade wendet sich vom niedlichen Kuscheltier ab und geht hin zum naturalistisch gestalteten Bären – der Trend setzt sich seit Mitte der 1990er-Jahre langsam aber sicher in der Szene durch.

Die damals noch unbekannte Alė Fischer beschließt, ihre Zurückhaltung aufzugeben und mehr in der Öffentlichkeit, vor allem bei den einschlägigen Teddymessen, präsent zu sein.

Trendsetter

Seither ist Alė Fischer auf den wichtigsten Events der Szene mit einem Stand vertreten, oft im Doppelpack mit ihrer thüringischen Kollegin, der Spielzeugdesignerin Annette Rauch. Aus der Erfurter Diplom-Werkstatt kommen inzwischen nicht nur Bären nach naturalistischem Vorbild, sondern auch andere Tiere, zum Beispiel Hasen, Igel und Marienkäfer. Sogar traditionelle Bären gibt es neuerdings im Sortiment – Fischerbären sind in jeder Hinsicht ein Erfolgsprodukt.

Zum 20-jährigen Szenegeburtstag als selbstständige Künstlerin hat Alė Fischer eine spezielle Edition herausgebracht: Jubiläumsbär Caspar erscheint in einer auf 20 Exemplare limitierten Vario-Serie. Die Modelle unterscheiden sich durch jeweils individuelle Bekleidung. Begleitend dazu gibt es aktuell eine Classic-Line, eine unlimitierte Serie mit klassischen Teddybären aus altem, zum Teil verschlissenem Mohair im Used-Look. „Dem Zustand des Ausgangsmaterials entsprechend wird der Stoff mit Steppnähten verstärkt und/oder bestickt. Diese Serie ist mir besonders ans Herz gewachsen, denn sie eröffnet eine breite Gestaltungsvielfalt. Jedes Exemplar innerhalb der Serie ist ein Einzelstück.“ Ihre aktuellen Stücke zeigt die Ale Fischer auf ihrer Homepage, die vor Kurzem online gestellt wurde. In Natura gibt es die Bären auf der TEDDYBÄR TOTAL 2013 am 27. und 28. in Münster zu sehen.

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