Ersatzplüschbären von Steiff nach 1947

Bären unter der Lupe

8. Dezember, 2016 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Ersatzplüschbären von Steiff nach 1947

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges dauerte es zwei weitere Jahre, bis die Deutschen wieder Steiff-Bären kaufen konnten. Und das taten sie auch. Die Plüschgesellen mit den Nummern 5630,2 und 5635,2 waren aus Kunstseide gefertigt und viele von ihnen haben bis heute überdauert.

Die Zeit 1947 bis 1950 gehört zu den spannendsten Produktionszeiten der Firma Steiff. In diesen Jahren wurden erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Stoffspielzeuge für die deutsche Bevölkerung hergestellt, nachdem in der direkten Nachkriegszeit Steiff-Plüschspielwaren ausschließlich an Besatzungstruppen ausgegeben oder für den Export bestimmt waren.

Aus Kunstseide

Zu den ersten Teddybären, die im Inland wieder offiziell ausgegeben werden, gehören die Ausführungen 5630,2 und 5635,2. Beide sind aus langfloriger Kunstseide gefertigt, fünffach gegliedert und haben eine Druckstimme. Die Artikelnummern verraten auch die Größen: 30 und 35 Zentimeter messen diese Teddybären, die noch im Schnitt der späten 1930er-Jahre entstanden sind.

Sie erscheinen erstmals in einer Preisliste „EG47“ unter der spartanischen Bezeichnung „Serie 12, Teddy, gegliedert, blond, Doppel-Druckstimme“. In dieser frühen Preisliste sind die Preis noch in US-Dollar angegeben: die 30 Zentimeter große Version kostet 1,43 US-Dollar und die 35 Zentimeter große Version 2,02 US-Dollar. Berechnungsgrundlage für diese etwas merkwürdig anmutenden Preise, ist die zu dieser Zeit noch gültige Reichsmark beziehungsweise die von den Besatzungstruppen ausgegebene und heute kaum noch bekannte „Alliierte Militärmark“.

In einer weiteren Preisliste aus dem Frühjahr 1948 sind die Preise wieder in Reichsmark angegeben: 3,90 Reichsmark für die 30 Zentimeter große und 5,60 Reichsmark für die 35 Zentimeter große Version. Bis zum Frühjahr 1949 bleiben diese beiden Teddybären die einzigen Standardmodelle, die von Steiff in den Preislisten vorgestellt werden.

Beliebte Exemplare

Erst 1949 erscheint eine neue Preisliste mit drei weiteren Größen: 25, 43 und 50 Zentimeter große Teddybären aus Kunstseide können ab sofort ebenfalls bestellt werden. Diese werden allerdings in deutlich kleineren Mengen produziert, als die beiden Vorgänger und sind heute auf dem Sammlermarkt weniger präsent. Besonders beeindruckende Stückzahlen erreicht die Nummer 5630,2, von der alleine im Jahr 1948 mehr als 20.000 Stück hergestellt werden.

So werden heute bei Schätz-Events immer mal wieder Teddybären dieser Art und Größe vorgestellt. Immerhin wurden sie ja noch bis 1950 hergestellt, bevor sie endgültig von den ab 1949 wieder eingeführten Modellen aus Mohair abgelöst werden konnten. Besonders auffällig ist bei den heute auf dem Markt erscheinenden Exponaten, dass sie oft sehr bespielt sind, da sie offenbar besonders geliebt wurden: in den schweren Nachkriegsjahren waren diese Teddybären oft die einzigen Spielzeuge, die die Kinder besaßen und wurden somit stark bespielt.

Lange Jahre galten diese bespielten Ausführungen als nicht besonders sammelwürdig. Sie erzielten und erzielen noch immer Preise, die ihnen kaum gerecht werden. Nur die wenigen ladenneuen Exemplare ihrer Art haben in den vergangenen Jahren immer wieder einmal erstaunliche Ergebnisse erzielt, die teilweise höhere vierstellige Beträge einbrachten. Meine persönlichen Favoriten sind die, die ihren eigentlichen Spielauftrag erfüllt haben und können gerne deutliche Spielspuren mitbringen. So stellen sich auch die beiden hier vorgestellten Exemplare nicht mehr in ihrem ursprünglichen Glanz dar, sind aber besonders als ursprünglich zusammengehöriges Pärchen eines Geschwisterpaares interessant.

Protagonisten

Die exakten Datierungen durch überlieferte Schenkdaten machen diese beiden Bären zu etwas ganz Besonderem. Der kleinere der beiden Teddys wurde 1948 an den ursprünglichen Besitzer übergeben und der größere ein Jahr später an den jüngeren Bruder. Diese überlieferten Informationen machen das Pärchen auch aus Steiff-historischer Sicht interessant, da sie zwei verschiedene Knöpfe tragen. Der kleinere Teddy trägt im linken Ohr einen sogenannten blanken Knopf ohne Aufdruck, wie er nur für eine kurze Zeit um 1948 verwendet wurde.

Der größere und ein Jahr später verschenkte Teddy trägt einen Knopf mit Druckbuchstaben. Bei diesem Knopf fehlt der aus der Vorkriegszeit in verschiedenen Ausführungen bekannte, lang gezogene F-Bogen am zweiten „F“ des Wortes Steiff. Damit passt diese durch die ursprüngliche Herkunft belegbare Datierung der Knöpfe zu der von einigen Experten vertretenen These, dass zunächst der blanke Knopf verwendet wurde und dieser erst später durch einen Knopf mit Aufdruck abgelöst worden ist.

Ähnlich verhielt es sich auch schon in den frühesten Jahren des Steiff-Knopfes: hier wurde nach einer kurzen Phase eines Knopfes mit Elefantenaufdruck und eines kleinen blanken Knopfes, einer mit Aufschrift „Steiff“ verwendet und in nur leicht abgewandelter Form bis in die 1940er-Jahre genutzt.

Ähnliche Geschwister

Bis auf diesen feinen Unterschied sind die hier vorgestellten Bärenbrüder sehr ähnlich. Beide haben Glasaugen, die zu diesem Zeitpunkt schon wieder zur Verfügung standen. Nur die ersten Ausführungen dieser Kunstseidenbären aus dem Jahr 1947 haben teilweise noch Schuhknopfaugen aus Restbeständen. Dennoch gibt es auch hier bei genauer Betrachtung einen feinen Unterschied: Die Augen des älteren, kleinen Bären sind noch sehr gut farblich erhalten. Bei dem größeren Teddy sind sie jedoch schon stark abgeblättert, was auch bei anderen Steiff-Tieren und Bären aus dem Jahr 1949 bekannt ist. Es scheint nur in diesem Jahr zu einer Lieferung von Glasaugen gekommen zu sein, bei denen die aufgetragene Farbe auf der Rückseite der Augen abblättert.

Die beiden hier vorgestellten Teddys haben Pfoten- und Sohlenbezüge aus Leinen. Dieser war als Ersatzmaterial für den ansonsten genutzten Wollfilz schon in der Zeit nach 1940 üblich und war in verschiedenen Qualitäten sogar noch bis in das Jahr 1953 immer wieder einmal im Einsatz. Besonders auffällig ist bei fast allen Produkten aus Kunstseidenplüsch der späten 1940er-Jahre, dass die eingebauten Druckstimmen oft noch funktionsfähig sind. Auch bei diesen beiden Teddybären sind sie bei Druck auf den Bauch noch in der Lage, einige Töne abzugeben. Die besondere Haltbarkeit der Brummstimmen aus diesen Jahren hängt mit dem speziellen gummiartigen Dichtungsmaterial zusammen, das nur aus den 1940er-Jahren bekannt ist. Anders als bei den sonst üblichen Stimmüberzügen aus rotbemaltem Stoff ist das in der Krisenzeit genutzte Material grünlich-blau und wesentlich haltbarer.

Frage des Garns

Eine weitere Besonderheit, die bisher nur sehr wenigen Eingeweihten bekannt ist, liegt in der Art des Materials der Nasen und Krallengarnierungen. Normalerweise wurde Perlgarn aus Baumwolle genutzt; dieses Material stand wohl für einige Zeit in den 1940er-Jahren, wie viele andere Materialien, nicht zur Verfügung. So hat man auch hier auf ein Ersatzmaterial zurückgreifen müssen, was aber zunächst kaum auffällt. Bei genauer Betrachtung kann man bei manchen Plüschtieren dieser Zeit feststellen, dass der schwarze Faden an manchen Stellen leicht lilafarbene Verfärbungen zeigt, die durch Sonneneinstrahlung verursacht werden. Wenn sich der Faden lila verfärbt, handelt es sich um einen Kunstseidenfaden. Perlgarn aus Baumwolle verfärbt sich dagegen braun.

Eine Besonderheit aller Kunstseidentiere und -bären aus der Zeit nach 1947 konnte leider bis heute nicht geklärt werden: obwohl sie alle in der sogenannten US-Zonenzeit der Firma Steiff hergestellt wurden, ist bis heute kein Tier oder Bär aus diesem Material mit der speziellen eingenähten Fahne aufgetaucht. Steiff-Produkte aus Wollplüsch oder Mohair sind dagegen fast ausnahmslos mit dieser zusätzlichen Fahne zu finden. Ein nettes kleines Rätsel, das es in Zukunft noch zu ­lösen gilt.

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