Endlich vereint: Teddy-Hermanns „Bärenfamilie“

Bären unter der Lupe

12. August, 2015 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Endlich vereint: Teddy-Hermanns „Bärenfamilie“

Die „Bärenfamilie“ gehört zu den seltensten Plüschgesellen von Teddy-Hermann. Einzelne Familienmitglieder zu finden, ist etwas Besonderes, Vater, Mutter und Kind vereint zu sehen, ist eine Sensation. Geschehen ist dies an der Schätzstelle auf der TEDDYBÄR TOTAL 2015 in Münster.

Zu den ganz großen Raritäten aus der Produktion von ­Teddy-­Hermann in Hirschaid zählt die „Bären­familie“. Sie ist dermaßen selten, dass sie in den vergangenen Jahrzehnten noch nie komplett angeboten worden ist. Sie besteht aus drei bekleideten Teddybären: Vater, Mutter und Kind. Alle Teddy­bären wurden ab Werk eingekleidet. In den bisher bekannten Katalogen der Firma Hermann taucht die kleine Sippe nur ein einziges Mal auf, und zwar in einer Ausgabe aus der Zeit um 1970. In diesem Katalog erscheint die „Bärenfamilie“ in Verbindung mit einigen Neuheiten des Jahres. Der Vater wird als Artikel 1391/33 angeboten, was einer Stehgröße von 33 Zentimeter entspricht. Die Mutter trägt die Nummer 1392/30 und ist 30 Zentimeter groß. Das Kind mit der Nummer 1393/18 misst gerade einmal 18 Zentimeter.

Durchschnittsfamilie?

Damit ist die klischeehafte Größenverteilung einer typisch deutschen Kleinfamilie maßstabsgerecht eingehalten. Da jedes einzelne Familienmitglied eine eigene Artikelnummer besitzt, liegt der Schluss nahe, dass diese Bären auch einzeln zum Verkauf standen. Dies zeigt auch die Marktpräsenz dieser Bären in den vergangenen Jahren: die Bärenmutter ist schon einige Male aufgetaucht. Gleiches gilt für den Vater, wenn auch etwas seltener als die Mutter. Das Kind ist dagegen extrem selten und in allen Auktionskatalogen der wichtigsten Spielzeugauktionshäuser nur ein einziges Mal in den vergangenen zehn Jahren zu finden. Daher war auch kaum bekannt, dass es sich bei diesem kleinen Modell nicht um einen Teddy der Serie 62 handelt, der aus dem Standardprogramm stammt und einfach nur entsprechend eingekleidet wurde. Der Teddy ähnelt zwar dieser Standardserie, hat aber ein ganz eigenes Design mit Stehfüßen, um freies Stehen zu ermöglichen.

Auf der Katalogabbildung ist diese besondere Ausführung, die es sonst bei anderen kleinen Teddys aus Hirschaider Produktion nicht gibt, nicht zu erkennen. Die Bekleidung des Kindes besteht aus einer schwarz-weiß karierten Hose und einer Art Spielhemd, das aus rotem Stoff gefertigt wurde und von hinten mit einem Druckknopf verschlossen werden kann. Interessant ist die Befestigungsart des Warenzeichens: es wurde ab Werk an der Hose angebracht anstatt an der Brust, wie es sonst bei Teddybären von Hermann aus Hirschaid bekannt ist. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Bären direkt ab Werk und nicht von einem Zwischenhändler bekleidet wurden.

Kleider machen Bären

Diese Art nachträglicher Bekleidung kennt man von verschiedenen Teddy­bären, zum Beispiel von einigen Steiffbären, die von FAO Schwarz in New York als Farmer oder mit einem Sonntagsanzug ausgestattet wurden. Auch die Bärenmutter trägt ihr Warenzeichen an der Kleidung, in diesem Fall an der Rockvorderseite. Der Rock besteht aus geblümtem Stoff mit blauer Borte und ist völlig identisch mit der Katalogabbildung. Die weiße Bluse mit Spitzenärmeln ist ebenfalls identisch mit der Abbildung und daher als Original zu betrachten. Dies ist nicht selbstverständlich, da die Bekleidung nicht fest angenäht wurde und so leicht austauschbar war oder sogar verloren gehen konnte.

Auch das Outfit des Bärenvaters ist nicht festgenäht. Es besteht aus einer dunkelblau gestrickten Hose und einem roten Strickpullover mit schwarz-weißem Muster an der Vorderseite. Der Pullover bei dem hier vorgestellten originalen Exemplar ist deutlich ausgeleiert und wurde vermutlich einmal gewaschen. Das Muster ist absolut ­typisch für die 1970er-Jahre und ­erinnert nachdrücklich an Modesünden vergangener Jahrzehnte. Sowohl der Vater als auch die Mutter entsprechen dem Grunddesign der sogenannten Stehbären, die bei Hermann schon zu Sonneberger Zeiten, genauer gesagt in den späten 1930er-Jahren, im Programm zu finden waren. Als Ausführung Serie 82 wurden sie ab 1952 in mehr als 20 Jahren Produktions­zeit zu einem der ganz großen Verkaufsschlager.

Die Stehbären der Serie 82 sind jedoch nicht bekleidet und auch nicht in 30 oder 33 Zentimeter Größe hergestellt worden. Die genaue Fertigungszeit der „Bärenfamilie“ ist nicht leicht zu recherchieren, da nicht aus jedem Jahr originale Kataloge und Preislisten erhalten sind. Fest steht, dass die „Bärenfamilie“ nur in einem sehr kurzen Zeitraum zwischen 1968 und 1971 angeboten wurde. Sie dürfte in diesem kompletten, original bekleideten und sehr gut erhaltenen Zustand nicht so schnell ein zweites Mal zu finden sein und ist trotz ihres recht geringen Alters eine tolle Bereicherung für jede gute Teddysammlung. Ein besonderer Dank gilt dem Sammler, der uns die „­Bärenfamilie“ gezeigt und für Fotos zur Verfügung gestellt hat. Man darf schon jetzt gespannt sein, welche besondere Rarität auf der ­TEDDYBÄR ­TOTAL 2016 in Münster vorgestellt wird.

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