Eine Hommage an Paddington-Vater Michael Bond

Kleiner Bär ganz groß

13. Dezember, 2015 - Kategorie: Aktuell, Teddy- und Plüschtierwelten
Eine Hommage an Paddington-Vater Michael Bond

Von Ruhestand keine Spur. Michael Bond arbeitet wie eh und je. Am 13. Januar 2016 wird der britische Schriftsteller 90 Jahre alt. Nein, gratulieren wollen wir noch nicht. Nicht vorher. Stattdessen hat TEDDYS kreativ-Autor Jochen Frank eine Hommage an den Mann verfasst, der mit dem Paddington-Bären eine der populärsten Figuren der Kinderbuchliteratur geschaffen hat.

Noch im Mantel, den Hut auf dem Tisch abgelegt, hebt ein ­Gentleman, freundlich lächelnd, sein Weinglas zum Gruß. Eine Szene im Kinofilm „Paddington“, ziemlich am Anfang, die nur Sekunden dauert. „Schon wenn du blinzelst“, meint ­Michael Bond, „könntest du sie verpasst haben“. Genau 16 Minuten und 23 Sekunden – wir haben es gestoppt – sind im Film vergangen bis zu jenem Moment. Wenigstens ein kurzer Auftritt des Paddington-Vaters. Paul King, Regisseur und Drehbuchautor, hatte ihn dazu ermutigt.

Ein großes Werk

Die Verfilmung von Paddingtons Abenteuern erwies sich als Volltreffer. Über 200 Millionen Dollar soll der Streifen, der vor einem Jahr auch in deutschen Kinos anlief und wochenlang einen Platz in den Top Ten der Kino-Hits behauptete, eingespielt haben. Jetzt plant Paul King sogar einen zweiten Teil mit dem kleinen, tollpatschigen Teddy als Hauptdarsteller. Ein weiteres Drehbuch zu schreiben sei kein Problem, sagt der britische Regisseur. Michael Bond habe mit seinen Geschichten für genügend Stoff gesorgt.

Seit 1958, als der Bär mit Schlapphut und Dufflecoat erstmals die literarische Bühne betreten hatte, sind weitere zehn Erzählbände mit Paddingtons Erlebnissen erschienen. Sieben davon wurden ins Deutsche übersetzt und vom Hanser Verlag herausgegeben. Den zwölften Band unter dem Titel „Paddington Here and Now“ (Paddington hier und jetzt) hatte Michael Bond 2008 dem 50. Geburtstag seines Schützlings gewidmet. Und Nummer 13, „Paddington Races Ahead“ (Paddington prescht vor), liegt als neuestes Buch vor, leider ebenfalls noch nicht als deutsche Ausgabe.

Weltweit geliebt

Dass die Paddington-Geschichten in über 40 Sprachen übersetzt und in mehr als 35 Millionen Exemplaren verkauft wurden, überrascht selbst den Autor. Doch hat er für die weltweite Popularität des Bären eine simple Begründung: „Die Menschen mögen jemanden, der gegen die Tücken des täglichen Lebens kämpft. Die Probleme des Alltags sind überall die Gleichen. Bei Japanern ebenso wie bei Amerikanern, Holländern, Deutschen, Engländern.“ Zudem sei Paddington höflich, hilfsbereit und optimistisch. Dass er dabei oft von einem Fettnäpfchen ins nächste gerät, mache den Reiz der Episoden aus. Schließlich wollen die Leser – nicht nur Kinder – erfahren, wie er aus dem Schlamassel heraus kommt.

Neben Paddington gibt es mit Olga da Polga, einem Meerschweinchen, und – speziell für erwachsene Krimi-Freunde – mit Monsieur Pamplemousse weitere literarische Protagonisten von Michael Bond. Zudem hat er Lehrbücher für Schulkinder geschrieben, Reiseführer über London und Paris sowie eine 1996 erschienene Autobiografie als „vorläufige Lebensbilanz“. Die Gesamtzahl seiner Bücher gibt er mit „ungefähr 150“ an. Aktuelle Projekte sind ein Bilderbuch über eine Mäuse-Familie und „ein Buch für ältere Kinder, das noch keinen Titel hat“, wie Ehefrau Sue verriet.

Unruhestand

Michael Bond lebt mit ihr in London ganz in der Nähe von jenem Bahnhof, der Paddington seinen Namen gab und wo der Bär aus dem finstersten Peru Familie Brown kennenlernte. Aus erster Ehe hat der Schriftsteller zwei Kinder, Karen und Anthony. Seine Tochter hat ihn zum dreifachen Großvater gemacht, doch sind Robyn, Harry und India, so Mr. Bond, „längst keine Kinder mehr“.

Viel Wirbel um seine Person mag der Schriftsteller nicht. Er freut sich über Wertschätzung, misst aber speziellen Ehrungen keine allzu große Bedeutung bei. Sie seien „immerhin ganz gut für die Werbetexte im Bucheinband“, hat er dazu einmal gesagt. Sein literarisches Werk wurde 1997 mit der vierten und 2015 mit der dritten Stufe des britischen Ritterordens „Order of the ­British ­Empire“ – OBE beziehungsweise CBE – gewürdigt. Von der Universität Reading, jener Stadt, in der er aufgewachsen ist, hatte er 2007 die Ehrendoktorwürde für Literaturwissenschaft erhalten. Ob es ihm recht ist oder nicht, um weitere Huldigungen wird er wohl im Januar nicht herumkommen.

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