Ein tierischer Held

Die ewig junge Micky Maus

25. Juli, 2011 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Ein tierischer Held

Jeder kennt sie, jeder liebt sie – die Rede ist von Micky Maus, Walt Disneys berühmtester Schöpfung. Etliche Generationen sind mit dem sympathischen Mäuserich und seinen Abenteuern aufgewachsen. Noch heute erfreut sich die sympathische, großohrige Gestalt bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen großer Beliebtheit.

Im Jahr 1908 trat der Teddybär seinen Siegeszug in die Kinderzimmer an und schlich sich zudem in viele Erwachsenen-Herzen. Einige Jahre später kam eine kleine Maus daher, deren weltweiten Erfolg zu diesem Zeitpunkt niemand voraussah. Das possierliche, flinke Wesen in aufrechter Menschengestalt, das zunächst als Filmstar in Amerika „arbeitete“, wuchs allen Betrachtern rasch ans Herz.

Stars und Sternchen

Dieser Star, der über die USA hinaus in Europa bekannt wurde, war niemand anderes als Micky Maus, die sich damals noch „Mickey Mouse“ schrieb. Sie trat am 18. November 1928 im allerersten Zeichentrick- und Tonfilm in New York auf. Ein Zeichentrickfilm besteht aus einer Unzahl von Einzelbildern, die die Bewegung einer Figur – hier der Micky Maus – erst möglich machen. Ub Iwerks hieß der Zeichner dieses legendären Kurzfilms, den Walt Disney, der Erfinder der Micky Maus, unter Vertrag genommen hatte.

Der Inhalt des Films ist schnell erzählt: Micky arbeitet als Matrose auf einem Flussdampfer, Freund Kater Karlo – auch ihn kennt man heute noch gut – ist der Kapitän und beide treiben allerhand Schabernack auf dem Boot. Walt Disney lieh seinen beweglichen Comicfiguren seine Stimme für ein paar, allerdings noch recht „unverständliche“ Sätzchen. Immerhin war damit der Ton-Trickfilm geboren! Ach ja, einen Künstlernamen hatte Micky in diesem Film auch: er wurde „Steamboat-Willie“ genannt. Wo Erfolg ist, sollte sich möglichst bald weiterer Erfolg einstellen. Also wurde darüber nachgedacht, „Steamboat-Willie“ oder „Mickey Mouse“ nun auch als Spielzeug auf den Markt zu bringen.

Spielmaus

Das Micky Maus-Spieltier besteht aus Samt, Filz, Eisendraht und einem weichen Innenleben. Es ist 16 Zentimeter lang und stammt mit ziemlicher Sicherheit aus dem Jahr 1928. Daher kann diese Maus heute als absoluter „Oldie“ angesehen werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat dieses äußerst ungewöhnliche und damals überaus moderne Spielzeug seinen Ursprung in der Produktion der englischen Firma „Dean’s Rag Book Company“. Es käme aber auch die deutsche Firma von „Moritz Pappe“ in Liegnitz in Frage. Hundertprozentig konnte das bis heute nicht geklärt werden. So genannte Rag-Dolls waren in den 1920er-Jahren in Mode. Bedruckter Stoff mit Spielzeug-Tieren oder Puppengesichtern und
-körpern mussten nur noch vom Kunden ausgeschnitten, zusammengenäht und gefüllt werden. Einige Firmen erledigten, wie in Mickys Fall, diese Arbeiten selbst. Die Kundschaft kaufte dann das fertige Objekt, ohne sich kreativ betätigen zu müssen.

Diese frühe Micky Maus hatte aber noch lange nicht die rundliche, knuddelige Körperform, die uns heute geläufig ist. Nein, sie schaute doch eher wie eine echte Maus aus: länglich, mit spitzer Nase. Aber immerhin aufrecht gehend. Dazu benötigte sie natürlich ein Paar Schuhe. Diese sind aus Filz gearbeitet. Lustig ist die längliche, aufgedruckte Zahnreihe, die Micky bei leicht geöffnetem Mäulchen präsentiert. Darüber wurde die Nase bereits dreidimensional als kleine, schwarze Kugel aufgenäht. Die als Markenzeichen bekannten runden Ohren bestehen aus Filz, ebenso ihre – heute nicht mehr ganz so weißen – Hände. Die darf man ebenfalls als Rarität betrachten; denn diese Micky Maus besitzt fünf Finger.

Fingerfertigkeit

Wer schon einmal geschaut hat, wie viele Finger Comic-Figuren in der Regel am Händchen haben, dürfte mit Überraschung festgestellt haben, dass es nur vier sind. Und Micky war da der Vorläufer. Die simple Erklärung lautet: es war einfacher und kostengünstiger, beweglichen Zeichenfiguren in Filmen nur vier Finger „an die Hand“ zu geben. In allen nachfolgenden Print-Medien und natürlich Filmen verfügt Micky Maus dann auch nur noch über vier Finger. Soweit man weiß, hat sie sich nie darüber beklagt.

Auch die späteren Figuren von Walt Disney wie Donald Duck, Onkel Dagobert, Minnie Maus, die Kinder Tick, Trick und Track sowie andere Comic-Figuren sind Vier-Finger-Träger.

Im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover kann man übrigens, wenn man Glück hat und ein bisschen Zeit mitbringt, Ausschnitte aus dem historischen Schwarz-weiß-Film „Steamboat-Willie“ sehen. Hier lohnt es sich, auf die Besonderheiten dieses Erstlingswerks zu achten und Mickys quäkende Stimme aus der frühen Zeit hören.

Holzmaus

Ab 1930 tauchten dann bereits die ersten Spielzeugfiguren auf, wie zum Beispiel eine hölzerne Micky Maus. Sie bereitete besonders kleinen Kindern als „Rampenläufer“ großes Vergnügen. Diese Holzmaus erblickte in der Firma Süßenguth in Neustadt bei Coburg, der traditionellen Spielzeugregion, das Licht der Welt. Auch sie trug mit dazu bei, dass sich Mickys Ruf in Deutschland weiter verbreitete. Gerade weil diese Holzmaus noch recht weit vom Original entfernt scheint, macht sie heutigen Sammlern von „Disneyana“, so werden die Memorabilien von Walt Disney genannt, große Freude. Ob man damals in Neustadt den Original-Film gesehen hat, konnte bisher nicht in Erfahrung gebracht werden. Immerhin sind aber die typischen Attribute der amerikanischen Micky Maus deutlich bei dem „hölzernen“ Mäuschen wiederzuerkennen: vor allem die zwei großen, rundlichen, schwarzgefärbten Ohren. Die aufgemalte, kugelrunde Nase ist ebenfalls absolut korrekt. Der aufgemalte, relativ längliche, zahnlose Mund passt gut zu diesem liebenswerten Objekt und lässt Micky sogar tatendurstig lächeln.

Bekommt diese Holzmaus auf der Rampe einen leichten Schubs, so trabt sie geduldig die Schräge hinab: mit einem leisen „Klapp, Klapp“. Kinder und auch Erwachsene hatten damals – und vielleicht noch heute – ihren Spaß an dieser Aktion. Die gute Laune der hölzernen Micky Maus übertrug sich bestimmt auf jeden Betrachter. Da sich derartige, so genannte Kleinkinder-Spielzeuge in der Regel eher nicht erhalten haben, hat auch diese frühe Micky Maus einen entsprechenden Seltenheitswert.

Zeitenwende

Überspringt man gut 50 Jahre, so finden sich in den 1980ern eine Fülle von kleinen Disney-Weichplastikfiguren, die Kinder begeistert sammelten. Da ist zum Beispiel Minnie Maus mit chic aussehender Schleife im gar nicht vorhandenen Haar. Sie trägt ein niedliches, rotes Röckchen mit weißen Tupfen und weiße Handschuhe. Darin stecken natürlich auch nur vier Finger.

Sie gefiel den jungen Disney-Enthusiasten ebenso gut wie Micky Maus als Fußballer oder als Werbefigur fürs mo­­dische, rote Telefon mit Tastenwahl. Eine Süßwarenfirma steckte in den 1960er- und 1970er-Jahren kleine, längliche Lutschbonbons in einen Spender aus Hartplastik, den als Kopf Disney-Figuren zierten. Für Kinder ein herrliches, noch dazu relativ preiswertes Vergnügen. Auch diese harmlosen Objekte sind bei Sammlern heute begehrt.

Es gab natürlich auch noch eine Fülle anderer Comicfiguren. Alle diese kleinen und großen Disney-Charaktere erfreuten Kinderherzen und in gleichem Maße heute die von erwachsenen Sammlern. Schön, wenn diese Raritäten nicht immer den Weg alles Irdischen gingen, sondern in Sammlerhänden landeten. Nur so können wir sie auch nach vielen Jahrzehnten noch heute ab und zu bestaunen.

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