Bearmania

Das Silver Bear Centre in Irland

30. September, 2010 - Kategorie: Aktuell, Szene
Bearmania

Anke Morgenroth, irische Künstlerin mit deutschen Wurzeln, haucht ihren Kreationen keltischen Geist und irische Seele ein. Ihre Leidenschaft für Irland und Bären vermittelt sie seit nunmehr vier Jahren den Besuchern ihres Silver Bear Centres. Dieses liegt innerhalb des Unesco Marble Arch Global Geo Parks, zwei Kilometer entfernt vom pittoresken Dorf Bawnboy, Co. Cavan.

Die Welt der Bären zog Anke vor beinahe 30 Jahren in ihren Bann, als sie ein Jahr in Kanada und in den Vereinigten Staaten lebte und fasziniert war von den echten Bären. „Sie sind Kreaturen von erhabener Schönheit, kraftvoll und sanft, werden gefürchtet und geliebt zugleich. Teddys hingegen besitzen all die Attribute, die einem treuen und geliebten Freund eigen sind“, erklärt Morgenroth ihr Faible für Meister Petz. Nach Irland zog es sie dann 1984. Zuvor hatte sie als Sozialarbeiterin in Deutschland gearbeitet. „Zusammen mit Eltern und Kindern formten wir wundervolle Dinge in Ton, damit sie mehr über sich und ihre Beziehung zueinander verstehen lernen.“

Selbsttherapie

Für Morgenroth selbst war die Beschäftigung mit Teddys eine spezielle Form der Beschäftigung mit sich selbst. „Als ich meinen ersten Teddy gemacht hatte, war es, als hätte ich mich selbst therapiert, so großartig war das Gefühl, etwas Wunderbares geschaffen zu haben.“ Plötzlich wollte sie nicht nur Teddys machen, sondern diese Erfahrung, die ihr Leben verändert hatte, auch weitergeben. Sie suchte den Kontakt zu Bärenkünstlern, las einschlägige Literatur und übte, übte, übte, bis ihre Teddys alle physischen und charakterlichen Merkmale akribisch reflektierten. Zwei Jahre lang war ihr Schlafzimmer Atelier und gleichzeitig Höhle für die Familie von Teddys, die unter ihren geschickten Händen ständig wuchs. Als ihr Mann darüber klagte, dass sie ihn nicht mehr erkenne, es sei denn er verkleide sich als Teddy, wusste sie, dass es höchste Zeit wurde, ein Atelier zu mieten.

In ihrer Heimat Deutschland hatte sie die Liebe zu traditionellen Bären eigentlich schon mit der Muttermilch eingesogen. Als sie nach Irland zog, kombinierte sie ihre Faszination für die wilde Natur mit ihrer Bärenliebe. Sie begann traditionelle, aber in Freiheit geborene Bären zu machen und gründete das einzigartige Silver Bear Centre. „Liam, mein erster Bär, war groß, traditionell und gehörte meiner Tochter. Molly hingegen, mein zweiter Bär, der im Silver Bear Centre steht, teilt sich den Ausstellungsraum mit gefundenen Teddys und solchen, die Kunden uns geschenkt haben. Ein Skateboard-Bär etwa oder ein tanzender. Manchmal wirbeln Besucher sogar mit ihm herum.“

Größte Bärensammlung Irlands

Die Aufträge mehren sich so schnell wie sich die „Bearmania“ unter den Freunden und Fans ihrer Kunst breitmacht. Stolz ist sie darauf, die größte Bärensammlung in Irland zu besitzen. Berühmte Namen wie Steiff, Gund, Russ, Charlie Bears und viele andere stehen einträchtig Schulter an Schulter. Im Herzen wird sie – das steht fest – immer Bärenkünstlerin bleiben. „Meine Bären sind vom Design her deutsch, aber ihr Charakter ist irisch, inspiriert von der atemraubenden Natur der Landschaft County Cavan, in der ich arbeite“, gibt Morgenroth zu Protokoll. Die Herzenswärme, Offenheit und Herzlichkeit der Iren strahlen auch ihre Teddys aus. Ihre Serie „Little Rascals“ (Kleine Schlingel) beispielsweise ist zum Knubbeln süß.

Am liebsten würde sie den ganzen Tag lang Teddys machen, aber das Teddybär-Business hat sie verändert. Es fordert sie als Kunsthandwerkerin, Designerin und Unternehmerin. „Ich bin noch immer eine kleine Cottage Industry (Heimindustrie), die hochwertige One-of-a-kind Mohair-Teddys produziert. Aber ich kann ihr gerade mal 20 Prozent meiner Zeit widmen.“ Der Rest der Woche gehört dem neuen Silver Bear Centre, das sich in den vergangenen drei Jahren für Touristen aus Nah und Fern zu einem Lernzentrum gemausert hat. Angeboten werden Workshops zum Thema „Geschichte des Teddys“ sowie Filme zum Thema Bärenmachen in denen vermittelt wird, wie man traditionelle Bären entwirft.

Umwelt-Workshop

„In diesem Jahr erweiterten wir unser Programm durch einen Umwelt-Workshop mit dem Thema ‚Weltweit bedrohte Bärenarten‘“, wirft Morgenroth einen Blick in die Zukunft. Zu den Besuchern ihres Zentrums zählen auch Schülergruppen oder Familien, die einen Tagesausflug der besonderen Art planen. Andere buchen einen Kursus zum Thema „Wie man einen Bären stopft“. Dann sind da noch die so genannten traditionellen, von den Freundinnen der Braut einen oder zwei Tage vor der Hochzeit organisierten „Hen Parties“. „Bei uns kann man diese Zeit nutzen, um ein ­Teddy-Brautpaar als Träger guter Wünsche zu machen. Wir sind berühmt für unsere Mohairbär-Sommerschule für Kinder und veranstalten einen Tag des Eisbären im Herbst sowie einen Gingerbread House Workshop (Lebkuchenhaus-Tag) im Dezember.“ Man sieht, ein Besuch im Silver Bear Centre und bei Anke Morgenroth und ihren Petzen lohnt auf jeden Fall. Denn wie heißt es in Irland so schön? Ein Fremder ist nur ein Freund, den man noch nicht kennt.

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