Bären unter der Lupe

Bärenmarke-Teddy von Anker

25. Mai, 2012 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Bären unter der Lupe

Das Sammeln historischer Teddybären erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Euphorisch werden die Teddyenthusiasten insbesondere, wenn es zu revolutionären Funden oder spektakulären Neuentdeckungen kommt. So, wie es vor Kurzem geschehen ist.

Das Sammeln von Teddybären hat in Deutschland Tradition. Dabei hat es immer wieder einzelne Exponate gegeben, die zwar in großen Mengen zur Verfügung stehen, jedoch nie korrekt zugeordnet werden konnten. Viele Sammler erinnern sich noch an die ursprüngliche Titulierung von Teddybären der Firma Diem als Produkte der Spielwaren­fabrik Schuco in Nürnberg. Noch heute tauchen ab und zu diese Beschrei­bungen auf, da sie in verschiedenen veralteten Büchern nachgeschlagen werden.

Klarheit ist gefragt

Mit dem Erscheinen von ­Ciesliks ­Teddybär-Lexikon im Jahr 1998 war es erstmals möglich, ­Teddybären mit Hilfe der umfang­reichen Informationen und den historischen Katalogabbildungen richtig und fundiert zu bestimmen. Dennoch gibt es heute in vielen Sammlungen Stücke, die zwar häufig zu finden sind, aber aufgrund fehlender Warenzeichen keiner Manufaktur exakt zugeschrieben werden können.

Einer der bekanntesten Teddybären, auf den dies zutrifft, ist ein Werbebär für die Kondensmilch mit dem Namen Bärenmarke. Ursprünglich gegründet wurde diese Firma unter dem Namen Berner Alpen Milchgesellschaft, die schon im Gründungsjahr 1892 das Wappentier der Stadt Bern, einen ­Bären, als Firmenlogo wählte. Die bahnbrechende Entwicklung einer ungezuckerten ­Kondensmilch im Jahr 1912 begründet den Weltruhm der Milchgesellschaft. Diese Milch erfreut bereits seit 100 Jahren unter dem Namen Bärenmarke kaffeeliebende Haushalte in aller Welt.

Die Bären-Abbildungen auf den Verpackungen zeigen in den ersten Jahren eine naturgetreue Bärenmutter, die ihr Junges mit einer Nuckelflasche füttert. Die heute bekannte, verniedlichte Version stammt aus der Zeit nach 1951 und wurde immer wieder einmal leicht dem Zeitgeschmack angepasst. Insgesamt stellten diverse Hersteller mehr als zwanzig verschiedene Plüschversionen des Bärenmarke-Teddys her. Diese wurden dann zumeist in Werbeaktionen, wie zum Beispiel Preisausschreiben, an Verbraucher abgegeben.

Detailfrage

Das hier vorgestellte Modell stammt in etwa aus der Zeit um 1965. Es handelt sich um eine hochwertige Ausführung aus Mohairplüsch mit einem aufwändigen Design. Obwohl in vielen Teddybüchern und auch auf diversen Internet-Präsenzen diese Teddybären vorgestellt werden, ist bisher kein einziges Exemplar mit originalem Firmenschild bekannt. Auch haben die wenigsten der bisher gefundenen Exemplare noch die originale bedruckte Kochschürze aus Kunststoff.

Vermutlich wurde dieses Modell bisher wegen der auffälligen Ähnlichkeit zu den Bigo-Bello-Modellen der Firma Schuco, genauer HeGi, trotz fehlender eindeutiger Identifikationsmerkmale immer wieder als ein Produkt der Nürnberger Manufaktur bezeichnet. Durch einen unglaublichen Zufall ist es nun aber möglich, diese Bären mit ihrer tatsächlichen Herkunft zu beschreiben.

Exakt bestimmt

Vor einiger Zeit ist ein kleiner Sensationsfund gemacht worden, der in dieser Form sicherlich einzigartig sein dürfte. In einem Feinkostgeschäft wurden mehrere ungeöffnete Kartons entdeckt, die mit einer Papierbanderole der Spielwarenfabrik Anker in München verschlossen waren. Kenner wissen, dass es sich bei dieser Firma um die Nachfolgemanufaktur von Arthur Hermann in München handelt, der sein Unternehmen im Jahr 1954 an den Kaufmann Ernst Bäumler verkauft hat. Von der Firma Anker sind im Laufe ihrer 23-jährigen Geschichte viele Lizenz- und Werbeartikel auf den Markt gebracht worden. Zu den heute bekanntesten Ausführungen gehören der Esel Mufti für die Zeitschrift Bild und Funk, der offensichtlich in großen Mengen hergestellt worden sein muss, da er in der Standartausführungen sehr häufig zu finden ist.

Eigentlich hätte man diesen Esel Mufti als Inhalt der Kartons erwartet. Doch nachdem der erste Karton vorsichtig über Wasserdampf geöffnet wurde, war die kleine Sensation perfekt. Er enthielt einen ladenneu erhaltenen Bärenmarke­bären, eben die Ausführung, die ansonsten der Firma Schuco/HeGi zugeschrieben wird: knapp 30 Zentimeter groß, aus Mohairplüsch und mit offener Schnauze, die einen roten Filzeinsatz sowie eine eingeklebte Filzzunge hat. Die Nase aus Kunststoff ist aufgeklebt und mit einem Faden unsichtbar gesichert. Die Bären sind recht fest mit Füllwatte gestopft; Arme und Beine sind durch eingelassene Drähte minimal beweglich. Der Kopf ist angenäht, lässt sich aber leicht hin- und her bewegen. Alle Pfoten sind mit vier gestickten Krallen aus schwarzem Perlgarn verziert.

Gerade die eingelassenen Drähte ­sowie die vier Krallen haben sicher ihren Beitrag dazu geleistet, dass ­dieser Bär der Firma Schuco/HeGi ­zugeordnet wurde, da es sich um typische Merkmale der Nürnberger Manufaktur handelt. Besonders auffällig ist, dass bei den nun gefundenen Bären kein einziges Exemplar ein Firmenschild trägt. Die Bären wurden also nicht einzeln gekennzeichnet, nur der originale Karton gibt den Hinweis auf den ursprünglichen Hersteller. Daher war es bisher auch nicht möglich, die Verbindung zum Hersteller aus ­München herzustellen. In Sammlerkreisen gilt dieses Modell neben dem sicher begehrtesten Entwurf der Firma Steiff aus dem Jahr 1960, zu den schönsten und gelungensten Ausführungen der vergangenen 60 Jahre.

Nun endlich ist es auch möglich diese Bären mit ihrem korrekten Ursprung zu bezeichnen und damit schließt sich eine weitere kleine Lücke in dem ­großen Puzzle der unbekannten ­Teddybären.

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