Bären unter der Lupe

Zotty von Steiff wird 60 Jahre alt

26. Mai, 2011 - Kategorie: Aktuell, Antik & Auktion
Bären unter der Lupe

Der Zottelbär der Firma Steiff feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum. Er wird stolze 60 Jahre alt. Zotty ist nicht nur einzigartig in seiner Vielfalt, er gehört auch zu den am längsten und in den größten Stückzahlen hergestellten Teddybären des Giengener Unternehmens.

Das Licht der Welt erblickte Zotty im Jahre 1951, zu einer Zeit, in der die ursprünglichen Teddyformen der Vorkriegszeit langsam von neuen, kindgerechteren Designs abgelöst wurden. Zunächst waren von diesem innovativen Teddymodell nur vier Größen eingeplant, die alle im Neuheitenkatalog der Firma Steiff aus dem Jahr 1951 abgebildet sind. Es sind die Größen 28, 35, 43 und 50 Zentimeter, die als Urväter aller späteren Zottybären entwickelt wurden.

Legendenbildung

Das Besondere an diesen Petzen wird bereits aus den Katalogbeschreibungen deutlich: Es ist die Vereinigung von superweicher Stopfung und besonders langem, dichtem Mohairplüsch bei einem Teddybären. Dazu kommt noch ein kindgerechtes Kopfdesign, das zuvor schon in Form eines Panda-Bären bei Steiff entwickelt worden war, aber bis zum ersten Zotty noch nie in dieser Kombination hergestellt wurde.

Zusätzlich war Zotty mit einem offenen Filzmaul ausgestattet, das zwar schon von weitaus älteren Modellen wie zum Beispiel dem Teddy-Baby bekannt ist, aber eben nicht in dieser ­Kombination. Das offene Maul lädt Kinder zum Füttern aber auch zur Kommunikation ein, denn ein Teddy mit geschlossener Schnauze hat nicht so viel zu sagen. Noch heute finden sich bei unzähligen historischen Zotty-Exemplaren Reste ursprünglicher Fütterungsversuche im Maul, die natürlich bei Sammlern nicht immer willkommen sind.

Gegliederte Zottys haben einen Brustlatz aus gelblich bis orangefarbenem Mohairplüsch, der tatsächlich wie ein kleines Lätzchen aussieht und so zusätzlich zum Füttern animiert. Alle diese Kriterien führten schnell zu einem unglaublichen Erfolg des neuen Zottelbären bei Eltern und Kindern, sodass bereits ein Jahr nach dem ursprünglichen Erscheinen zwei weitere Nummern des Zotty als Neuheiten im Katalog aufgeführt wurden. Diese beiden kleinsten Nummern mit Körpergrößen von nur 17 und 22 Zentimeter runden das Normalprogramm ab. So sind ab 1952 sechs verschiedene Standardgrößen zu bekommen.

Groß und selten

Das gesamte Zotty-Programm blieb bis 1977/1978 nahezu unverändert. Lediglich die 17er-Größe wurde ab etwa 1962 bis 1975 durch eine 18 Zentimeter große Version ersetzt, was aber nur bei historischen Zottys mit lesbarer Artikelnummer zu erkennen ist. Nach 1975 wurde diese kleinste Größe des Zottelbären nicht mehr hergestellt. Welchen Anlass es für diese Änderung gab, bleibt ungeklärt. Nur sehr kurze Zeit um 1967 waren auch große Ausführungen des Zotty als so genannte Schaustücke erhältlich, dabei handelt es sich um Versionen von 80 bis hin zu 100 Zentimeter Stehgröße.

Obwohl der Zotty auch materialbedingt zu den teuersten Teddybären im gesamten Steiff-Programm der 50er- bis 70er-Jahre gehört, ist seine Beliebtheit und dadurch sein heutiges Vorkommen auf dem Sammlermarkt ungeheuer groß. Daher sind die Sammlerpreise in den vergangenen Jahren doch ­deutlich ­zurückgegangen. Le­diglich be­­sondere Ausfüh­rungen erzielen noch ­immer recht hohe Ergeb­nis­se. Dazu gehören besonders die ersten Modelle mit eingenähter US-Besatzungszonen-Fahne, deren Herkunft eindeutig in die wenigen Jahre bis 1954 belegt werden kann.

Kinderliebling

Unbespielte und komplett mit allen ­Warenzeichen erhaltene Zottys aus der US-Zonenzeit sind extrem selten zu ­finden und haben in der Vergangenheit auf den verschiedenen Auktionen teilweise erstaunlich hohe Erlöse erzielt. Weniger beliebt bei Sammlern, aber umso mehr bei Kindern ist die liegende Version des Zotty aus der so genannten Floppy-­Serie, die in zwei Größen, 17 und 28 Zentimeter, ab 1953/1954 auf den Markt gebracht wurde. Diese Floppy-Tiere sind sehr häufig als Kopfkissen für Kinder benutzt worden und zeigen ihre Mohairverluste am deutlichsten auf dem Rücken.

Obwohl auch sie in sehr großen Mengen bis 1977 hergestellt wurden, ist es gar nicht so einfach, völlig unbespielte und mit allen Warenzeichen erhaltene Ausführungen zu finden. Dennoch zählt Floppy-Zotty heute in Sammlerkreisen zu den unbeliebteren Bären. Vielleicht auch deswegen, weil sie sich als liegende Ausführungen nicht so schön dekorieren lassen wie seine gegliederten Brüder, die sitzen und stehen können.

Beide Modelle, sowohl der gegliederte Zotty als auch die liegende Floppy-Version, sind aus braunem Mohairplüsch mit karamellfarbenen Spitzen hergestellt worden. Heute tauchen diese Bären in zwei Variationen auf: zum einen die übliche Version aus hellbraunem Mohairplüsch aber auch eine etwas seltenere Version aus dunklerem, leicht rötlichem Mohair, der aber nicht gesondert in den Katalogen aufgeführt wird. Es handelt sich hierbei offensichtlich um Lieferungen, die zu den Zeiten als Ersatz dienten, in denen besonders viele Zotty-Bären hergestellt wurden. Es gibt in der Literatur immer wieder Versuche, diese rötlichen Varianten in bestimmte Fertigungsperioden zu datieren. Dies ist aber nicht möglich, da sie bei genauerer Betrachtung immer wieder einmal auftauchen.

Nachweise

Ein besonderes Anliegen aller Teddybärensammler ist die möglichst exakte Datierung ihrer Sammlerstücke. Dies ist bei einem Teddy, der so lange im Programm war wie der Zotty, nicht immer einfach, vor allem, wenn die ursprünglichen Warenzeichen fehlen. Minimale Veränderungen, die kaum in der Literatur erwähnt werden, machen es jedoch möglich, auch unvollständige oder sogar stark bespielte Zottys ­genauer zu datieren. Zum einen gibt natürlich die bei den ersten Ausführungen angebrachte US-Zonen-Fahne Auskunft über die früheste Fertigungszeit. Hier lohnt sich ein ganz genauer Blick unter den rechten Arm des Bären, denn nicht selten sind Reste dieser Fahnen durch das langhaarige Fell verdeckt und nur schwer zu entdecken.

Hat ein Zotty keine solche Fahne oder Reste davon, kann er dennoch zu­­geordnet werden, wenn er noch Krallen­bestickungen an den Pfoten und Füßen hat. Diese Bestickungen wurden nach etwa 1962 aus Zeit- und Kostengründen nicht mehr angebracht. Vermutlich auch, weil sie bei einem solch langhaarigen Teddy ohnehin kaum zu sehen sind.

Eine weitere Veränderung bei allen Modellen gibt es ab Mitte der 1960er-Jahre. Nun wurden die bis dahin üblichen Glasaugen durch Kunststoffaugen ersetzt. Zottys aus den 70er-Jahren haben kaum noch handgestickte Nasengarnierungen. Sie wurden durch maschinengenähte Nasen ersetzt, die auch bei vielen weiteren Teddymodellen in dieser Zeit zu finden sind. Das Garn der maschinengenähten Nasengarnierungen ist wesentlich dünner und daher leicht von dem dicken Perlgarn der Handgarnierungen zu unterscheiden.

Rarität

Eine besonders gesuchte und seltene Variante des gegliederten Zotty fertigte Steiff nur für kurze Zeit in den Jahren 1960 und 1961: eine Ausführung aus weißem Mohairplüsch. Dieses recht empfindliche Modell war wohl, wie fast alle weißen Teddybären, kein allzu großer Verkaufserfolg. Durch das empfindliche Fell scheuten vor allem Mütter die Anschaffungen des Spieltiers, da zu häufige Reinigung vorbestimmt war.

Weiße Zottys gehören heute zu den seltensten Teddybären der gesamten Nachkriegsproduktion und sind sehr gesucht. Völlig unbespielte und komplett erhaltene Exemplare haben in den vergangenen Jahren immer wieder erstaunlich hohe Verkaufserlöse erzielt. Von diesen Bären sind nur zwei Ausführungen bekannt. Eine kleine Version mit 28 Zentimeter sowie eine größere Ausführung mit 35 Zentimeter Stehgröße.

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